02 Apr 2020 | Michael Menduno

Notwendigkeit, die Mutter der Erfindung: Die Geschichte hinter DANs Tauchversicherung

Mit dem Aufkommen von Tauchreisen und Tauchdestinationen wie Sharm el Sheikh und den Malediven erlebte das Tauchen in Europa in den frühen 1980er Jahren einen regelrechten Boom. Wie vorauszusehen war kam es auch immer öfter zu Dekompressionsunfällen. Allerdings wurde die Überdruckmedizin damals gerade erst als wichtiges medizinisches Fachgebiet anerkannt und in den beliebtesten Tauchgebieten wurden die ersten Druckkammern eingerichtet.

Als Reaktion auf den Tauchboom gründete der Unterwasser- und Überdruckmediziner und Taucher Dr. Alessandro Marroni die International Diving Assistance (IDA), um mit einem kleinen Netzwerk aus Tauchmedizinern in Not geratene Taucher auf Reisen rund um die Uhr medizinisch zu unterstützen. Sein Engagement ähnelte dabei dem von Dr. Peter Bennett an der US-amerikanischen Duke University, der unter dem Namen National Diving Accident Network (NDAN) eine von der Regierung finanziell unterstützte 24-Stunden-Notfallhotline gründete, um bei Tauchverletzungen zu helfen. 

Dr. Marroni wurde bald klar, dass Tauchern, die sich im Ausland verletzten, eine medizinische Beratung alleine nicht ausreichte. Es brauchte eine spezielle Versicherung, die für die teure hyperbare Therapien aufkommen würde, die traditionelle Reiseversicherungen nicht abdecken wollten. Hinzu kam, dass die nationalen bzw. gesetzlichen Krankenversicherungen in Ländern wie Spanien und Finnland hyperbare Therapien nicht abdeckten.

Daraufhin nahm Dr. Marronis Ehefrau Filomena De Angelis, Archäologin und Taucherin und spätere Geschäftsführerin von DAN Europe, im Namen von IDA Verhandlungen mit einer großen Versicherungsgruppe auf. Die Herausforderung? Die Versicherungsträger davon zu überzeugen, dass Tauchen nicht gefährlich ist! Denn den Versicherungsunternehmen widerstrebte es, diese merkwürdigen und noch recht unerforschten Dekompressionskrankheiten zu versichern.

Tatsächlich ist es so, dass bei Unfallversicherungen normalerweise Krankheiten und Vorerkrankungen ausgeschlossen sind. Aus diesem Grund dauerte es eine Weile bis man verstand, dass es sich bei Dekompressionskrankheiten um eine bestimmte Art von Tauchunfall handelt, der mit anderen Arten von Sportverletzungen vergleichbar ist.

De Angelis hatte Erfolg und so brachte IDA 1982 die weltweit erste Tauchunfallversicherung auf den Markt, die, ähnlich wie heute, als Zusatzangebot an IDA-Mitglieder verkauft wurde. Im darauf folgenden Jahr und nach einer sehr produktiven Begegnung mit Dr. Bennett, wurde aus IDA DAN Europe und aus NDAN wurde Divers Alert Network (DAN) US. Fünf Jahre später brachte DAN US dann mit einem Drittanbieter ein eigenes Tauchversicherungsprogramm auf den Markt.[1]


Die selbstgebastelte Tauchversicherung

DAN Europes Tauchunfallversicherung wurde von den Mitgliedern sehr gut angenommen. Allerdings übernahm die Versicherungsgesellschaft nicht immer die Kosten und so musste DAN manche Behandlungen aus eigenen Mitteln bezahlen. Oft war das bei tiefen Lufttauchgängen und bei den ersten technischen Tauchgängen der Fall, denn diese wurden von den Versicherungsgesellschaften als zu gefährlich eingestuft. Als in den späten 1990er und den frühen 2000er Jahren, als das Tauchen mit Mischgasen und Rebreathern immer beliebter wurde, wollten Versicherungsgesellschaften das technische Tauchen mit dem kommerziellen Tauchen in einen Topf werfen und boten den Versicherungsschutz nur noch sehr widerstrebend an.

Im Jahr 2007 entschied sich DAN Europe eine eigene Versicherungsgesellschaft zu gründen. So konnte die Organisation selbst entscheiden, was versichert werden sollte und bei der Regelung von Ansprüchen autonom Entscheidungen treffen. „Wir kannten uns so gut in dem Bereich aus, dass wir profitabel arbeiten und gleichzeitig Ansprüche auszahlen konnten“, erklärte DAN Europes leitende Vizepräsidentin Laura Marroni.

Infolgedessen gründete DAN IDA Insurance Ltd und VING Insurance Brokers Ltd., zwei Tochterversicherungsunternehmen, die beide in Malta registriert sind, wo DAN Europe schon länger über entsprechende Beziehungen verfügte. So konnte DAN sich weiter in vollem Umfang an die eigenen Zahlungsgarantie-Richtlinien halten und die Genehmigung von Zahlungen nun in die Hände der medizinischen Teams legen anstatt in die Hände von Sachbearbeitern.

DAN Europe nahm außerdem eine Zusatzversicherung für „nicht tauchbedingte Notfälle“ ins Programm auf, damit die Mitglieder auf ihren Reisen auch für jedwede andere Notfälle versichert waren. Man beachte, dass im Zeitraum 2016-2018 57% der Unfälle der Mitglieder mit dem Tauchen in Zusammenhang standen, 43% jedoch nicht. „Wir erkannten, dass es für die Mitglieder einfacher wäre, wenn auf Reisen alles über uns versichert wäre, und sie nicht noch eine andere Versicherung für Unfälle suchen müssten, die nichts mit dem Tauchen zu tun haben“, sagte Marroni.




[1] 1991 wurde die International DAN (IDAN) Federation als Dachorganisation gegründet. Zu den Mitgliedern gehören außer DAN Europe und DAN US auch DAN Japan, DAN Asia Pacific und DAN Southern Africa.




Über den Autor

Michael ist preisgekrönter Journalist und Technikexperte. Er schreibt schon seit Jahrzehnten über das Thema Tauchen und die Technik beim Tauchen. Er hat den Begriff “technisches Tauchen” geprägt.  Seine Arbeiten sind in Veröffentlichungen wie dem Alert Diver, DIVER, Quest, Scientific American, Scuba Times, Sports Diver, Undercurrent, Undersea Journal, WIRED und X-Ray erschienen. Er ist Gründer und Chefredakteur von aquaCORPS und hat dabei geholfen, dass das technische Tauchen nun zum Mainstream des Sporttauchens zählt. Er hat außerdem die ersten Tek, EuroTek und AsiaTek Konferenzen veranstaltet.

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