{"id":11386972,"date":"2012-10-15T00:00:00","date_gmt":"2012-10-14T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/alertdiver.eu\/unkategorisiert\/riskiert-man-durch-das-freitauchen-nach-dem-geraetetauchen-eine-dekompressionskrankheit\/"},"modified":"2012-10-15T00:00:00","modified_gmt":"2012-10-14T22:00:00","slug":"riskiert-man-durch-das-freitauchen-nach-dem-geraetetauchen-eine-dekompressionskrankheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alertdiver.eu\/de_DE\/artikel\/riskiert-man-durch-das-freitauchen-nach-dem-geraetetauchen-eine-dekompressionskrankheit\/","title":{"rendered":"Riskiert man durch das Freitauchen nach dem Ger\u00e4tetauchen eine Dekompressionskrankheit?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Sporttaucher gehen manchmal am selben Tag Ger\u00e4tetauchen und Freitauchen. Einige machen sich Sorgen, dass das Freitauchen nach dem Ger\u00e4tetauchen das Risiko einer Dekompressionskrankheit (DCS) erh\u00f6ht. Sie bef\u00fcrchten, dass wiederholtes Ab- und Aufsteigen das endg\u00fcltige Ziel der ven\u00f6sen Gasembolie -oder der Bl\u00e4schen- die sich m\u00f6glicherweise nach dem Ger\u00e4tetauchen im Blut befinden, \u00e4ndern kann und sie als Taucher anf\u00e4lliger f\u00fcr eine DCS werden. Ein weiterer Grund f\u00fcr die Besorgnis ist die M\u00f6glichkeit, dass durch Freitauchg\u00e4nge die Menge des nach dem Ger\u00e4tetauchen bereits vorhandenen gel\u00f6sten Inertgases im K\u00f6rper weiter zunimmt und so die Voraussetzungen f\u00fcr eine DCS geschaffen werden. Kann man aber beim Freitauchen \u00fcberhaupt eine DCS bekommen?<strong><br \/> <\/strong><br \/>Durch eine modelhafte Darstellung des DCS-Risikos nach einem Freitauchgang eines Menschen konnte ein hypothetisches Szenario entwickelt werden, demzufolge eine DCS nach nur einem einzigen Extremtauchgang auftreten k\u00f6nnte. Trotzdem ist es unwahrscheinlich, dass das Freitauchen die Mechanismen ausl\u00f6st, die zu einer DCS f\u00fchren. Die kumulierten Auswirkungen vieler wiederholter Tauchg\u00e4nge mit kurzen Oberfl\u00e4chenpausen k\u00f6nnten theoretisch die Voraussetzungen f\u00fcr die Bildung von ven\u00f6sen Gasemboli schaffen. Bis jetzt gibt es jedoch wenig Berichte dar\u00fcber, dass bei Freitauchern Bl\u00e4schenbildung beobachtet wurde. Manche Leute sind der Ansicht, dass sich die DCS beim Freitauchen von der beim Ger\u00e4tetauchen unterscheidet und dass sie unabh\u00e4ngig von ven\u00f6sen Gasemboli entstehen kann.<\/p>\n<p> Es gibt tats\u00e4chlich Berichte \u00fcber DCS-\u00e4hnliche Symptome bei Freitauchern. Symptome von Hirnsch\u00e4den wurden bei Extremtauchern wie Erntearbeitern, Speerfischern mit Scootern und Freitauchern, die wiederholt sehr tief tauchten, festgestellt. DCS kann eine m\u00f6gliche Ursache dieser Symptome sein, aber andere Ursachen sind ebenso denkbar, z.B. Sauerstoffdepletion, Hirnblutungen (aufgrund der extremen Blutdruckver\u00e4nderungen, zu denen es beim Freitauchen kommt), arterielle Gasemboli, die durch Lungenriss in extremer Tiefe entstanden sind, wiederholte Mikroverletzungen des Gehirns etc. Auch bereits vorhandene medizinische Leiden wie z.B. eine Mikroangiopathie k\u00f6nnen eine Rolle spielen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Egal ob nun beim Freitauchen selbst ven\u00f6se Gasemboli gebildet werden oder nicht, die Sorge, dass es beim Freitauchen nach dem Ger\u00e4tetauchen zu einer Umverteilung der Gasemboli kommt, ist nachvollziehbar. Das Risiko hierbei ist jedoch sehr gering. Nichtsdestotrotz, und obwohl Unklarheit \u00fcber die genauen Ursachen herrscht, wurden neurologische Unf\u00e4lle beim extremen Freitauchern bereits beobachtet und k\u00f6nnen daher nicht ignoriert werden.<\/p>\n<p> <strong>Ist eine DCS beim Freitauchen ein echtes Risiko?<\/p>\n<p> Wong<\/strong>: Es gibt tats\u00e4chlich das Risiko einer DCS, jedoch nur beim extremen Freitauchen. Klinische Anzeichen und Symptome wurden bei Wettkampftauchern, kommerziellen Erntearbeiterinnen in Japan (Ama-Taucherinnen), Freizeit-Speerfischern in Australien und Spanien sowie bei den Perlentauchern im Tuamotu Archipel festgestellt. Bei den Ama-Taucherinnen treten die Symptome nie am ersten Tag der Tauchwoche auf und nur nachdem mindestens 3,5 bis 4 Stunden lang auf Tiefen von \u00fcber 20 Meter mit Oberfl\u00e4chenpausen, die k\u00fcrzer als die Tauchzeit waren, getaucht wurde. Daraus l\u00e4sst sich schlie\u00dfen, dass ein Faktor bei einer DCS die Stickstoffanreicherung ist.<\/p>\n<p> Ven\u00f6se Gasbl\u00e4schen wurden sowohl bei den japanischen Ama-Taucherinnen (K. Kolshi 2010, pers. Mitt.) als auch bei Freitauchern festgestellt, die mehrere Tauchg\u00e4nge auf 47 Meter machten und Sauerstoff zur Dekompression atmeten (K. Huggins 2006, pers. Mitt.). Selbstverst\u00e4ndlich bedeutet die blo\u00dfe Entdeckung von Bl\u00e4schen noch nicht, dass es zu einer DCS kommt, auch wenn die M\u00f6glichkeit dazu besteht. Ein offenes Foramen ovale war vermutlich bei einem Taucher, der zwischen 10 bis 12 Tauchg\u00e4nge auf 10 bis 18 Meter von jeweils 60 bis 120 Sekunden mit Oberfl\u00e4chenpausen von 5 bis 6 Minuten gemacht hatte, einer der Faktoren, die zu einer DCS f\u00fchrten. Zwei Stunden nach seinem letzten Tauchgang begann er an Schwindel, Sehst\u00f6rungen, einem Engegef\u00fchl in der Brust und Taubheit in der rechten Gesichtsh\u00e4lfte zu leiden. Es scheint, dass die Tauchg\u00e4nge, die er gemacht hatte ausreichend daf\u00fcr waren ven\u00f6se Gasemboli zu produzieren, die dann aufgrund des offenen Foramen ovale zu Symptomen f\u00fchrten.1<\/p>\n<p> <strong>Pollock<\/strong>: In der Literatur sind anekdotische und retrospektive Daten zu finden, die einer DCS-Diagnose entsprechen. Ein k\u00fcrzlich unternommener Versuch zur modellhaften Darstellung des Risikos f\u00fchrte zu dem Schluss, dass dieses bei Tauchg\u00e4ngen auf weniger als 101 Meter vernachl\u00e4ssigbar ist, dann jedoch als steigende Funktion der Tiefe solange zunimmt, bis die Tiefe ausreicht um bei rund 229 Metern durch einem Kollaps der Luftwege die Aufnahmef\u00e4higkeit der Lunge von Gasen einzuschr\u00e4nken.2 Das Ausma\u00df der Gefahr bleibt unklar, jedoch ist das absolute Risiko f\u00fcr Freitaucher vermutlich sehr gering, vor allem dann, wenn Oberfl\u00e4chenpausen mit Umsicht kalkuliert und eingelegt werden.<\/p>\n<p> <strong>Erh\u00f6ht sich beim Freitauchen nach dem Ger\u00e4tetauchen das Risiko einer DCS?<\/p>\n<p> Wong<\/strong>: Freitauchen nach dem Ger\u00e4tetauchen kann das Risiko einer DCS erh\u00f6hen, Beweise hierf\u00fcr gibt es allerdings kaum. Der klassische Fall wurde von Paulev dokumentiert, der unter \u00dcbelkeit, Schwindel, R\u00fclpsen, H\u00fcft- und Knieschmerzen, Schw\u00e4che, Missempfindungen und Seheintr\u00fcbungen litt, nachdem er f\u00fcnf Stunden lang wiederholt Freitauchg\u00e4nge auf 20 Meter unternommen hatte. Seinen Freitauchg\u00e4ngen ging ein 8-min\u00fctiger Aufenthalt bei 20 Metern als Assistent in einer Druckkammer voraus.3 Es wird au\u00dferdem von drei \u00e4hnlichen DCS-F\u00e4llen berichtet, bei denen die Taucher vor dem Freitauchen dem Druck in einer Druckkammer ausgesetzt waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Pollock<\/strong>: Wenn vor einem Freitauchgang mit komprimiertem Gas getaucht wird, erh\u00f6ht sich sicherlich das theoretische Risiko. Bei einer hohen Konzentration von Inertgas im Gewebe nach Tauchg\u00e4ngen mit komprimiertem Gas kann der Effekt des Freitauchens bedeutsam sein. W\u00e4hrend dies nicht durch Experimente bewiesen ist, k\u00f6nnen Bl\u00e4schen, die nach einem Tauchgang mit komprimiertem Gas entstanden sind zu empfindlicherem Gewebe wandern wenn sie beim Freitauchgang vorr\u00fcbergehend komprimiert werden. Ebenso k\u00f6nnte der physiologische Stress des Freitauchens das pulmonale Shunting steigern und damit das Risiko bzw. die Frequenz der Bl\u00e4schen erh\u00f6hen, die in den arteriellen Kreislauf gelangen. Die Gefahr k\u00f6nnte zu Beginn des Freitauchgangs am gr\u00f6\u00dften sein wenn sowohl die Gr\u00f6\u00dfe der Bl\u00e4schen als auch die k\u00f6rperliche Anstrengung relativ hoch sind bzw. am Ende des Tauchgangs, falls das Shunting immer noch gesteigert ist. Es gibt jedoch, wie gesagt, keine Beweise daf\u00fcr, dass diese Faktoren zu Verletzungen f\u00fchren. Es ist schwierig eine so relativ seltene Krankheit wie DCS zu untersuchen; die Untersuchung einer zweiten seltenen Krankheit, die zu dieser ersten hinzukommt, gestaltet sich demnach noch um einiges schwerer.<\/p>\n<p> <strong>Wie sehen neurologische Symptome bei Freitauchern aus?<\/p>\n<p> Wong<\/strong>: Symptome, die nach dem Freitauchen auf treten, scheinen das zentrale Nervensystem h\u00e4ufiger anzugreifen als Symptome nach dem Ger\u00e4tetauchen. Die h\u00e4ufigsten sind \u00dcbelkeit, Gleichgewichtsst\u00f6rungen, Erbrechen, Missempfindungen, Muskelschw\u00e4che und L\u00e4hmung. Weitere sind eingeschr\u00e4nkte Konzentrationsf\u00e4higkeit, Lethargie, Sprachst\u00f6rungen und Bewusstseinsver\u00e4nderungen. Muskel-Skelett- oder Gelenkschmerzen sind selten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Pollock<\/strong>: Die neurologischen Symptomen, die von Freitauchern beschrieben werden, sind von kurzer Dauer. Das k\u00f6nnte mit den niedrigeren Gasvorkommen in Zusammenhang stehen, die beim Freitauchen vorkommen und mit der beim Freitauchen schneller auftretenden Kompression und Dekompression. Dies verleitet dazu, Dekompressionsgefahren anhand der Unmengen an Daten \u00fcber komprimiertes Gas verstehen zu wollen. Diese Daten geben jedoch bei den f\u00fcr Freitaucher normalen hohen Ab- und Aufstiegsraten von rund 2 Metern pro Sekunde wenig her.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie hoch ist das Risiko von neurologischen Unf\u00e4llen beim Freitauchen und wie kann man es eind\u00e4mmen?<\/p>\n<p> Wong<\/strong>: Zu den Faktoren, die f\u00fcr gew\u00f6hnlich neurologische Symptome ausl\u00f6sen, geh\u00f6ren Freitauchg\u00e4nge auf \u00fcber 20 Meter, wiederholtes Tauchen innerhalb eines Zeitraums von drei oder mehr Stunden und kurze Oberfl\u00e4chenpausen. Wenn die Zeit, die in der Tiefe verbracht wird, doppelt so lange ist wie die Oberfl\u00e4chenzeit, best\u00fcnde auch schon bei wiederholten Tauchg\u00e4ngen in weniger als drei Stunden das Risiko einer DCS. Um ein solches erh\u00f6htes DCS-Risiko zu vermeiden, sollten Freitaucher die Anzahl ihrer wiederholten Tauchg\u00e4nge limitieren und die Oberfl\u00e4chenpausen l\u00e4nger als die Tauchzeiten gestalten.<\/p>\n<p> <strong>Pollock<\/strong>: Neurologische St\u00f6rungen beim Freitauchen k\u00f6nnen von einem hypoxischen Bewusstseinsverlust, von einem durch Dekompression herbeigef\u00fchrten Anfall oder anderen Problemen herr\u00fchren. Eine ganze Reihe von Strategien sollte zur Reduzierung der Gefahr angewendet werden.4 Zun\u00e4chst einmal m\u00fcssen Freitaucher das Hyperventilieren vor dem Tauchgang verstehen und limitieren. Das funktioniert zwar, wenn man die Dauer des Luftanhaltens verl\u00e4ngern will, kann aber die normalen Mechanismen zum Schutz vor Bewusstseinsverlust abschalten. Freitaucher sollten nicht zu viel Gewicht mit sich f\u00fchren und bei rund 5 Metern oder bei tieferen Tauchg\u00e4ngen auch tiefer mit leerer Lunge eine neutrale Tarierung erreichen.<\/p>\n<p> Entscheidend ist auch, dass die Tauchg\u00e4nge angemessen \u00fcberwacht werden, so dass bei Zwischenf\u00e4llen schnell reagiert werden kann. Eine direkte \u00dcberwachung durch einen oder mehrere Partner sollte w\u00e4hrend des Freitauchgangs und 30 Sekunden lang danach erfolgen, damit sichergestellt ist, dass das Bewusstsein stabil ist. Das Support-Netzwerk wird aufw\u00e4ndiger je tiefer die Tauchg\u00e4nge werden und je mehr Komplikationen wie z.B. geringe Sichtweiten, auftreten. Automatische Auftauchhilfen haben das Potential das Risiko f\u00fcr Leib und Leben unter verschiedenen Bedingungen zu verringern. Das Risiko f\u00fcr eine DCS reduziert sich, wenn man Freitauchen und Ger\u00e4tetauchen trennt und zwischen den Tauchg\u00e4ngen Mindestoberfl\u00e4chenpausen einh\u00e4lt. Die Oberfl\u00e4chenpausen sollten zun\u00e4chst doppelt so lange wie die Tauchzeit sein und dann entsprechen der Tauchtiefe zunehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00dcber den Autor<\/p>\n<p><\/strong>Dr. <strong>Petar Denoble<\/strong>, M.D., D.Sc., als Forschungsdirektor von DAN Amerika, hilft bei der Entwicklung neuer Studien \u00fcber die Tauchsicherheit. Er betreut laufende Studien und \u00fcberwacht deren Fortschritte. Derzeit leitet er die Projekte Dive Exploration, Die DAN-Datenbank \u00fcber Unf\u00e4lle, Verletzungen und Todesf\u00e4lle und die Studie \u00fcber Das Foramen Ovale(PFO).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Lerne die Experten kennen<\/p>\n<p> Neal W. Pollock,<\/strong> (Ph.D.), ist Forschungsdirektor bei DAN und Forschungsmitarbeiter des Center for Hyperbaric Medicine and Environmental Physiology am Duke University Medical Center in Durham, N.C. (USA).<\/p>\n<p> <strong>Robert M. Wong<\/strong>, (M.D.), ist Mitglied des Australian and New Zealand College of Anaesthestists, war Narkosefacharzt am Royal Perth Hospital und medizinischer Direktor der Abteilung f\u00fcr Tauchen und \u00dcberdruckmedizin am Fremantle Hospital in Australien. Er ist tauchender medizinischer Berater der australischen Perlenindustrie.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sporttaucher gehen manchmal am selben Tag Ger\u00e4tetauchen und Freitauchen. 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