{"id":11387049,"date":"2015-08-26T00:00:00","date_gmt":"2015-08-25T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/alertdiver.eu\/unkategorisiert\/physiologische-reaktionen-auf-hohen-druck-bei-immersion\/"},"modified":"2015-08-26T00:00:00","modified_gmt":"2015-08-25T22:00:00","slug":"physiologische-reaktionen-auf-hohen-druck-bei-immersion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alertdiver.eu\/de_DE\/artikel\/physiologische-reaktionen-auf-hohen-druck-bei-immersion\/","title":{"rendered":"Physiologische Reaktionen auf hohen Druck bei Immersion"},"content":{"rendered":"<p>Die physiologischen Reaktionen unseres K&ouml;rpers auf hohen Druck bei Immersion.<\/p>\n<p><em>Jeder hat es schon mal erlebt beim Tauchen! Stickstoffnarkose, Probleme mit dem Druckausgleich, Druck auf der Blase oder Kopfschmerzen nach dem Tauchen!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"font-size: 18px;\">Eine Dr&ouml;hnung Stickstoff, bitte!<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Manche m&ouml;gen sogar das Gef&uuml;hl, aber nicht jeder erlebt es &ndash; die Rede ist von der narkotischen Wirkung des Stickstoffs, die bekannterma&szlig;en bei Tiefen um oder &uuml;ber 30 Meter eintritt. Seine fast poetisch klingende Bezeichnung &ldquo;Tiefenrausch&rdquo; (oder auf Englisch &ldquo;Rapture of the deep&ldquo;) beschreibt den Vorgang eigentlich sehr gut. Anzeichen und Symptome sind meist albernes Verhalten, gut am breiten Grinsen und fahrigen Bewegungen, die an Trunkenheit erinnern, zu erkennen. Nicht selten berichten Taucher von einem Gef&uuml;hl der Freude, des Wohlseins oder eines euphorischen Gl&uuml;cksgef&uuml;hls. Die Menschen sind nicht gleicherma&szlig;en daf&uuml;r empf&auml;nglich und neben diesen individuellen Unterschieden kann die Wirkung auch bei einem einzigen Menschen von einem Tag auf den anderen variieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Generell kann man sagen: der Tiefenrausch wird durch einen erh&ouml;hten und ansteigenden Stickstoffpartialdruck ausgel&ouml;st, der die Kommunikation zwischen den Nervenzellen st&ouml;rt. Sobald der Stickstoffpartialdruck abnimmt, verschwinden auch die Symptome des Tiefenrausches.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber was l&auml;uft physiologisch ab?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zun&auml;chst einmal nimmt man &ndash; laut P.B. Bennett &ndash; an, dass die narkotische Wirkung von Stickstoff physikalischer und nicht biochemischer Natur ist. Hauptangriffsort ist unser zentrales Nervensystem (ZNS). Am besten l&auml;sst es sich wahrscheinlich durch die <strong>Meyer-Overton-Hypothese&nbsp;<\/strong>erkl&auml;ren. Eine Narkose tritt ein, wenn das inerte (d.h. reaktionstr&auml;ge) Gas (Stickstoff) in die Fette (d.h. die fetthaltigen Myelinscheiden) der Nervenzellen im Gehirn eindringt und die Weitergabe der Signale zwischen den Nervenzellen verhindert oder st&ouml;rt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F&uuml;r die Nerds unter den Tauchern: Stickstoff macht 78% unserer Luft aus. An Land haben wir einen Druck von 1 Atmosph&auml;re &nbsp;(d.h. der Partialdruck von Stickstoff betr&auml;gt 0,78), w&auml;hrend wir unter Wasser in einer Tiefe von 10m bei einem Druck von 2 Atmosph&auml;ren, also doppeltem Druck, atmen (d.h. der Partialdruck von Stickstoff betr&auml;gt hier 1,56). Mit zunehmendem Druck w&auml;hrend des Abtauchens in gr&ouml;&szlig;ere Tiefen als 10m nimmt der Partialdruck von Stickstoff zu (bei 20m betr&auml;gt er 2,34, bei 30m betr&auml;gt er 3,12 usw.).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W&auml;hrend manche Leute die Beeintr&auml;chtigung des Urteilsverm&ouml;gens durch Stickstoffnarkose mit der Wirkung von LSD vergleichen, vergleichen es andere schlaue Leute eher mit dem Effekt eines Martini Cocktails auf n&uuml;chternen Magen. Genau diese schlauen Leute haben es daher den <strong>Martini-Effekt<\/strong> getauft. Wenn man also eine Stickstoffnarkose erlebt und niemand einen aus der Tiefe hochzieht und man weiter absinkt bzw. abtaucht, dann erlebt man f&uuml;r jede weiteren 10-15 Meter eine Beeintr&auml;chtigung seines Urteilsverm&ouml;gens, die der eines weiteren Martini Cocktails entspricht. Die Narkose selbst ist nicht lebensbedrohlich, aber die eigenen Reaktionen auf die Umgebung oder auf Probleme mit der Ausr&uuml;stung k&ouml;nnen unter Wasser lebensbedrohlich sein. Genauso wie jeder vern&uuml;nftige Mensch nicht betrunken Autofahren w&uuml;rde, sollte man auch niemanden unter Stickstoffnarkose weiter oder tiefer tauchen lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um eine Stickstoffnarkose m&ouml;glichst zu umgehen, sollte man lieber auf Alkohol am Vorabend des Tauchgangs verzichten sowie Stress, &Uuml;berarbeitung oder Angst vermeiden. Diese Faktoren verst&auml;rken den Narkoseeffekt oder l&ouml;sen ihn leichter aus. Weitere Einflussfaktoren k&ouml;nnen k&ouml;rperliche Schwerstarbeit, kaltes Wasser, Abstiegsrate, Erm&uuml;dung, Krankheit, die Einnahme von Medikamenten, Fettleibigkeit und sicher vieles mehr sein. Deine beste Lebensversicherung, falls du leicht in Tiefenrausch ger&auml;tst, ist Dein Tauchpartner, der Dich einfach nur in flachere Tiefen zur&uuml;ckziehen muss, wenn er merkw&uuml;rdiges Verhalten an Dir bemerkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au&szlig;er Stickstoff sind auch Gase wie Helium, Neon, Argon, Krypton und Xenon inerte Gase und k&ouml;nnen eine Gasnarkose ausl&ouml;sen, indem sie sich in den Fetten der Nervenzellen l&ouml;sen und deren elektrische Signal&uuml;bertragung beeintr&auml;chtigen. Die Narkose-Wirkung von inerten Gasen h&auml;ngt von ihrem Grad der Fettl&ouml;slichkeit ab und unterscheidet sich zwischen den verschiedenen inerten Gasen. Helium hat eine geringere Fettl&ouml;slichkeit und eine dementsprechend geringere Narkose-Wirkung. Daher wird es beim Tieftauchen eingesetzt. Xenon hat die h&ouml;chste Fettl&ouml;slichkeit und daher eine hohe Narkose-Wirkung. Es wird tats&auml;chlich in der Medizin zur An&auml;sthesie genutzt. Stickstoff liegt irgendwo zwischen diesen beiden. Es ist unter Druck narkotisch wirksam.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"font-size: 18px;\">Druckausgleichsprobleme<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den Druckausgleich der Ohren haben die meisten von uns doch bereits gelernt, bevor sie mit dem Tauchen angefangen haben. N&auml;mlich bei der Tauchtauglichkeitsuntersuchung, wo gepr&uuml;ft wird, ob man &uuml;berhaupt zum Tauchen geeignet ist. Der HNO- oder Taucharzt fordert einen f&uuml;r gew&ouml;hnlich auf, den erfolgreichen Druckausgleich der Ohren vorzuf&uuml;hren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img decoding=\"async\" class=\"fr-dib fr-draggable\" src=\"\/wp-content\/uploads\/imgimport\/664\/equalization.jpg\" style=\"width: auto;\"><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beim Ger&auml;tetauchen ist der Druckausgleich erforder&ouml;lich, um das Trommelfell, eine sehr feine Membran im Ohr, davor zu sch&uuml;tzen, aufgrund des erh&ouml;hten Drucks unter Wasser w&auml;hrend des Abtauchens zu zerrei&szlig;en. Mit einem Loch im Trommelfell h&ouml;rt man nicht nur schlechter, sondern es kann Wasser eintreten und das Gleichgewichtsorgan irritieren (das im Vestibularorgan im Innenohr sitzt). Au&szlig;erdem schmerzt ein gerissenes Trommelfell und Tauchen kann man dann auch mehrere Monate nicht. Wenn es nicht ordentlich verheilt, kann man einen dauernden Geh&ouml;rschaden, Schwindel und Entz&uuml;ndungen davontragen. Also ist es besser, seine Eustachische R&ouml;hre zu benutzen, die Ohren und Rachen miteinander verbindet und uns damit erm&ouml;glicht, von innen Luft gegen das Trommelfell zu dr&uuml;cken. Das kompensiert den Druck von au&szlig;en, erm&ouml;glicht also den Druckausgleich. Man muss man den Druckausgleich beim Abstieg viele Male wiederholen. Insbesondere zu Beginn, in den flachen Tiefen. Das Beste ist es, den Druck auf den Ohren so fr&uuml;h wie m&ouml;glich und so oft wie m&ouml;glich auszugleichen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da die Menschen unterschiedlich gebaut sind und manche Schwierigkeiten beim Druckausgleich ihrer Ohren haben, ist es gut zu wissen, dass es mindestens <strong>5 verschiedene Methoden<\/strong> f&uuml;r den Druckausgleich gibt. Such&apos; Dir Deine Lieblingsmethode aus!<\/p>\n<ol>\n<li style=\"text-align: justify;\"><strong>Valsalva<\/strong>-Technik: einfachste, bekannteste Methode. Nase zuhalten und Luft reindr&uuml;cken.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\"><strong>Toynbee<\/strong>-Man&ouml;ver: Nasenl&ouml;cher schlie&szlig;en und schlucken. Das &ouml;ffnet die Eustachischen Tuben und die Zungenbewegung dr&uuml;ckt Luft in sie hinein.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\"><strong>Frenzel<\/strong>-Man&ouml;ver: Schlie&szlig;&rsquo; Deine Nasenl&ouml;cher und Deinen hinteren Rachenraum und versuche, einen &ldquo;K-Laut&rdquo; zu machen. (Muss etwas ge&uuml;bt werden)<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\"><strong>Edmunds<\/strong>-Technik: Den weichen Gaumen und die Rachenmuskeln anspannen, dann den Kiefer runter und nach au&szlig;en dr&uuml;cken und gleichzeitig die Valsalva-Methode anwenden. (Schwierig)<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\"><strong>Willentliches Offenhalten der Ohrtuben<\/strong>: viele Freitaucher kennen und nutzen diese Methode. Muss ge&uuml;bt werden! Die Rachenmuskeln kontrahieren und den Kiefer nach unten und vorw&auml;rts schieben. &Auml;hnelt der Bewegung, wenn man versucht, nicht zu g&auml;hnen. Es &ouml;ffnet die Eustachischen Tuben und erm&ouml;glicht den Druckausgleich.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn Du l&auml;ngere Zeit Probleme beim Druckausgleich hast, solltest Du einen HNO-Spezialisten aufsuchen und Deine Ohren &uuml;berpr&uuml;fen lassen. Erzwinge den Druckausgleich niemals mit Gewalt. Dein Trommelfell k&ouml;nnte platzen. Es handelt sich schlie&szlig;lich um eine sehr feine Membran.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"font-size: 18px;\">Immer dieser Druck auf der Blase<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit dem Eintauchen ins Wasser finden viele verschiedene physiologische Ver&auml;nderungen aufgrund von Unterschieden in Temperatur, Schwerkraft, Sauerstoffaufnahme und wegen des Tauchreflexes statt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unser Herz-Kreislauf-System hat mit den wichtigsten Ver&auml;nderungen zu tun, w&auml;hrend es sich an die &bdquo;neue&ldquo; Umgebung mit einer sogenannten <strong>Blut- bzw. Fl&uuml;ssigkeitsverschiebung<\/strong> anpasst. Durch den erh&ouml;hten Umgebungsdruck werden unsere Venen komprimiert (betrifft besonders die unteren K&ouml;rperteile) und das Blut von den Beinen in Richtung K&ouml;rperzentrum, also Bauch- und Brustraum, gedr&uuml;ckt (bei aufrechter Haltung). Ungef&auml;hr 400 bis 800 ml des ven&ouml;sen Blutes werden auf diese Weise &bdquo;verschoben&ldquo;. Die kleinen Kapillaren &ndash; Arteriolen, die die Lungenbl&auml;schen (Alveolen) umgeben &ndash; halten dieses Blut wie ein Schwamm und arbeiten gegen den Druck an. Diese <strong>Blutverschiebung in Schwerelosigkeit<\/strong> irritiert den Regelkreis, der das Blutvolumen reguliert. Bestimmte Sensoren werden aktiviert, aber nicht aufgrund eines tats&auml;chlichen Blutvolumenanstiegs, sondern aufgrund einer Verschiebung des Fl&uuml;ssigkeitsvolumens. Daraufhin wird eine physiologische Kaskade in Gang gesetzt, die zuerst von Gauer und Henry beschrieben wurde und deshalb <strong>Gauer-Henry-Reflex<\/strong><strong>&nbsp;genannt wird<\/strong>: die Dehnung des Brustkorbes (Thorax) durch die Volumenverschiebung von Blut und Plasma aktiviert Rezeptoren am Herzen und in der Lunge, die daraufhin nerv&ouml;se und hormonelle Signale an die Nieren senden und damit eine erh&ouml;hte Urinausscheidung in Gang setzen. Das Hauptziel ist, das <strong>Herz zu entlasten<\/strong>. Die Mehrarbeit wegen des Blutschwalls kompensiert das Herz mit einem h&ouml;heren Schlagvolumen. Die Herzfrequenz erh&ouml;ht sich fast nicht. Kurz gesagt: Tauchen l&ouml;st eine erh&ouml;hte Nierenaktivit&auml;t und h&ouml;here Urinausscheidung aus, was rasch zu <strong>Dehydrierung<\/strong> und Elektrolytverlust f&uuml;hrt. Um dies auszugleichen, ist es ratsam, sp&auml;testens zwei Stunden vor dem Tauchen mit der <strong>Aufnahme von Fl&uuml;ssigkeit<\/strong> <strong>(Hydrierung)<\/strong> zu beginnen. Wichtig ist auch, zwischen aufeinanderfolgenden Tauchg&auml;ngen Fl&uuml;ssigkeit (Wasser, Tee, Saft) aufzunehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img decoding=\"async\" class=\"fr-dib fr-draggable\" src=\"\/wp-content\/uploads\/imgimport\/664\/headache.jpg\" style=\"width: auto;\"><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ansonsten: Falls Du <strong>nach dem Tauchen jemals Kopfschmerzen<\/strong> hattest, k&ouml;nnte der Grund daf&uuml;r in einem von diesen liegen:<\/p>\n<ul>\n<li style=\"text-align: justify;\">Dehydrierung<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Eine dr&uuml;ckende Maske<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">zu viel Alkohol am Vorabend<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">ung&uuml;nstige oder falsche Atemtechnik w&auml;hrend des Ger&auml;tetauchens (z.B. kann Sparatmung Kohlendioxid anreichern)<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">kein oder zu wenig Schlaf<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Sonnenstich<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">&Uuml;berhitzung (Hyperthermie)<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Ohrenprobleme\/Probleme mit dem Druckausgleich, die z.B. durch Schwellungen und resultierende Verstopfungen der Nasennebenh&ouml;hlen verursacht werden<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Anzeichen und Symptome einer Dekompressionserkrankung (DCS)<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn die Kopfschmerzen l&auml;nger anhalten, solltest Du besser einen Arzt aufsuchen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die physiologischen Reaktionen unseres K&ouml;rpers auf hohen Druck bei Immersion. 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