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Bereit für den Kreisel? Die Suche nach dem richtigen Einstiegspunkt in das Tauchen mit Rebreather

Foto: Marcello Di Francesco

Wann macht der Umstieg auf Rebreather Sinn? Sechs Experten melden sich zu Wort.

Rebreather werden immer beliebter. Zu den Gründen für diese Entwicklung zählen das zunehmende Interesse am technischen Tauchen und stetig steigende Preise für Helium. Gleichzeitig haben Verbesserungen in der Konstruktion und Benutzerfreundlichkeit von Rebreathern, insbersondere bei der Steuer- und Überwachungselektronik, diese Form des Tauchens zugänglicher gemacht.

In der Vergangenheit waren es – mit Ausnahme einiger Fotografen – in erster Linie erfahrene Tech- und Höhlentaucher, die vom offenen Gerät auf Rebreather umgestiegen sind. Für solche Taucher haben Rebreather einen klaren, praktischen Nutzen, und die Taucher selbst verfügen (zumindest theoretisch) bereits über einen Teil der für den sicheren Gebrauch eines Rebreathers erforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten.

Ein Blick auf die Mindestanforderungen für die Teilnahme an einem Rebreather-Kurs in den Standards der Ausbildungsverbände hingegen zeichnet ein gänzlich anderes Bild: Ein Nitrox-Brevet und lediglich 25 Tauchgänge Erfahrung reichen aus.

Dieser erhebliche Unterschied wirft eine Frage auf, die ich in diesem Artikel genauer untersuchen möchte: Welches Ausbildungs- und Erfahrungsniveau sollte man mitbringen, damit sich der Umstieg auf einen Rebreather lohnt und gute Erfolgsaussichten hat?

Um eine Vorstellung von den möglichen Antworten zu bekommen, habe ich sechs renommierte und aktive Rebreather-Ausbilder in Asien, Europa, und Amerika befragt. Ich wollte wissen, wie sie einen typischen Kandidaten für die Erstausbildung beschreiben würden, und ob es in dieser Hinsicht Veränderungen gegeben hat. Außerdem habe ich gefragt, wie diese Ausbilder entscheiden, ob jemand für die Ausbildung an einem Rebreather geeignet ist, und ob sie Kandidaten ohne Erfahrung um Tech- oder Höhlentauchen akzeptieren.

Die Antworten unten sind Auszüge aus längeren Gesprächen bzw. Email-Korrespondenzen. Eine Kurzbiografie mit Link für alle befragten Ausbilderinnen und Ausbilder findet ihr am Ende des Artikels.

“Die meisten meiner Schüler sind Tech-Taucher”, sagt Matt Reed, TDI Instructor Trainer und Miteigentümer von Evolution Diving in Malapascua (Philippinen). “Weniger erfahrene Kandidaten werden jedoch häufiger. Im Vorgespräch frage ich, ob ein Schüler plant, in Zukunft seine Ausbildung fortzusetzen und komplexere Tauchgänge zu absolvieren. Das Tauchen mit Rebreather ist aufwändig, und wer, nicht tief taucht, bleibt häufiger nicht dabei.”

Kelvin Davidson von Third Dimension Diving (Tulum, Mexiko) macht ähnliche Erfahrungen: “Die meisten unserer Rebreather-Schüler kennen wir von früheren Besuchen bei uns als Höhlentaucher. In letzter Zeit bekommen wir aber vermehrt Anfragen von Unbekannten.”

Zu seinem Auswahlpozess befragt meint er: “Meist kenne ich die Leute bereits aus früheren Kursen und habe eine recht gute Vorstellung. Wenn nicht, frage ich nach ihrem Hintergrund, ihrer Ausbildung und Erfahrung, und warum sie meinen, einen Rebreather zu brauchen. Von dort aus halte ich mich mehr oder weniger an mein Bauchgefühl…

Viele Leute, die auf dem Papier gut aussehen, können entwender nicht wirklch gut tauchen oder haben nicht die richtige Einstellung für das Tauchen mit Rebreather. Deshalb ziehe ich es vor, wenn Schüler bei der Erstausbildung eines unserer Geräte verwenden, bevor sie ein eigenes kaufen. Wenn jemand gerade 10.000 Dollar ausgegeben hat und man dieser Person dann ein schwieriges Gespräch führen muss… das ist nicht schön.”

Wie Matt hat auch Kelvin Schüler ohne Vorerfahrung im Tech- und Höhlentauchen ausgebildet. “Gerade auf dem Fathom Gemini (Sidemount); weil er so leicht zu lernen ist. Große Backmount-Rebreather sind leistungsfähiger und bieten letztendlich mehr Möglichkeiten. Sie sind aber auch schwieriger zu beherrschen. Da kann die Situation etwas anders aussehen.

Es gibt die Normen und Anforderungen der Verbände, die erfüllt werden müssen. Danach liegt es am Lehrer, nach bestem Gewissen zu urteilen und gegenüber Schülern offen und aufrichtig zu sein.”

Yvonne Press, TDI IT und Rebreather-Ausbilderin in Malta, ist ähnlich zurückhaltend, harte Grenzen zu ziehen:

„Ich denke nicht, dass wir angehende CCR-Taucher zwingen sollten, zuerst OC-Tech zu tauchen. Kurse wie der Air Diluent Diver von TDI (30 m, alle Tauchgänge innerhalb der Nullzeitgrenze) bieten einen Einstieg in das Rebreather-Tauchen mit einem klaren Ausbildungspfad hin zum dekompressionspflichtigen CCR-Tauchen.

Stattdessen versuche ich, ein Gefühl für die Erfahrung einer Person zu bekommen – über bloße Zahlen und Zertifizierungen hinaus. Wenn jemand seit 20 Jahren jedes Jahr im Urlaun eine Woche lang Tauchen geht würde ich wahrscheinlich sagen, dass CCR-Tauchen für diese Person eher nichts ist. Ein relativ neuer Taucher mit hohem Engagement und klaren Zielen für zukünftige Rebreather-Tauchgänge hingegen könnte besser geeignet sein.“

Sie macht jedoch auch Einschänungen „Ich würde sicherstellen, dass Schüler über starke Grundfertigkeiten und ein solides Verständnis der Nitrox-Theorie bis hin zu reinem O₂ verfügen. An diesen Punkten kann man m Rahmen eines CCR-Kurses zwar arbeiten, aber um solche Grundlagen komplett neu einzuführen ist dieser Kurs im Allgemeinen nicht der richtige Moment.“

Für Paul Toomer von Diving Matrix Advanced Diver Training ist die Sache etwas klarer: „Ich habe mehrere Leute ausgebildet, die ihre Rebreather heute ausschließlich für flache Tauchgänge nutzen – Fotografie. Daran habe ich absolut nichts auszusetzen. Ich persönlich nutze Rebreather für all meine Tauchgänge, unabhängig von Tiefe und Profil.

Aber: Sich spezifischen Fähigkeiten zur Handhabung eines CCR anzueignen ist für sich genommen schon eine ziemliche Herausforderung. Für jemanden, der vom Sporttauchen kommt, nie mehr als eine einzelne Flasche getragen hat, noch nie einen Gaswechsel durchgeführt hat, und nicht rückwärts schwimmen kann… das ist einfach zu viel auf einmal, meiner Meinung nach.

Aus meiner Sicht sollte jemand zumindest eine Grundausbildung im technischen Tauchen absolviert haben, bevor ich diese Person für einen CCR-Kurs in Betracht ziehen würde – selbst wenn der Taucher nicht plant, den Rebreather später für technische Tauchgänge einzusetzen. Mein idealer Kandidat wäre ein erfahrener Trimix-Taucher, aber bei den Heliumpreisen heutzutage sind solche Leute leider selten geworden.“

Sabine Sidi-Ali, eine ursprünglich aus der Schweiz stammende Höhlentauchlehrerin und Rebreather-Ausbilderin, die in Europa und Mexiko unterrichtet, sieht dies ähnlich:

„Als ich vor zehn Jahren anfing, Rebreather zu unterrichten, kamen die Anfragen generell von Leuten Erfahrung im technischen Tauchen, der ihre Grenzen erweitern wollte. In jüngerer Zeit hat sich dieser Trend jedoch verändert – ebenso wie die Entwicklung der Standards: Theoretisch können sich Taucher heute fuur einen Rebreather-Kurs absolvieren, ohne jemals eine Deko-Flasche oder ein Doppelgerät verwendet zu haben.

Ich persönlich verlange mindestens eine Grundausbildung im Tech-Tauchen als Voraussetzung, und ich empfehle nachdrücklich die Teilnahme an einem GUE Fundamentals oder vergleichbaren Kurs (IANTD Essentials oder TDI Intro to Tech). Dies schafft gute Voraussetzungen für den Erfolg. Ohne diese Vorbereitung gibt es sowohl im theoretischen Verständnis als auch bei den Grundfertigkeiten im Wasser viel aufzuholen… zu viel, um es in einem einzigen Kurs zu lernen.“

Für Karl Hurwood von Pro-Tech Philippines ist der Umgang mit möglichen Notfällen ein zentrales Thema: „Wenn ein Rebreather ausfällt, muss der Taucher in nahezu allen Fällen auf ein offenes System umsteigen. Dieser Wechsel zum offenen System kann den Stress reduzieren – vorausgesetzt, der Taucher fühlt sich bei Tauchgängen auf diesem Niveau mit dem offenen System wohl. Ist dies nicht der Fall, sieht das Ergebnis ganz anders aus. Ich rate all meinen Schülern, sich mit offenem Gerät auf dem Niveau vertraut zu trainieren, das für den Bailout aus ihren CCR-Tauchgängen erforderlich ist. Damit meine ich nicht die Tiefe, sondern vielmehr die Konfiguration, die Anzahl der mitgeführten Flaschen, und Verfahren wie Gaswechsel.

Mit sehr wenigen Ausnahmen bedeutet das, dass eine gewisse Ausbildung im technischen Tauchen mit offenem System notwendig ist. Ich will nichts grundsätzlich auschließen, aber ich bräuchte schon ein sehr überzeugende und speizifische Gründe, um jemanden ohne jegliche technische Taucherfahrung zu einem CCR-Kurs zuzulassen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Frage: Brauchst du wirklich einen Rebreather? Rebreather sind tolle Maschinen und eröffnen viele Möglichkeiten. Dies erfordert allerdings viel Übung und regelmäßiges Tauchen, was nicht für jeden realistisch ist. Außerdem sind nicht alle Rebreather für alle Bedingungen gleichermaßen geeignet. Wähle ein Gerät, das zu der Art Tauchgang passt, die du machen möchtest, und achte darauf, dass dein Ausbilder dieses Gerät selbst auch außerhalb von Kursen regelmäßig taucht.“

Ein Konsens?

Trotz einiger Unterschiede in den Antworten meiner sechs Interviewpartner gibt es auch viele Gemeinsamkeiten. Ganz gleich ob sie eine formale Brevetierung als Tech-Taucher für unbedingt erforderlich halten oder nicht: Alle befragten Ausbilder verlangen als Voraussetzung die Beherrschung von Fertigkeiten, die typischerweise mit technischem Tauchen assoziiert werden, sowie den Vorsatz, sich weiterzubilden und den Rebreather in Zukunft regelmäßig zu nutzen.

Alle sechs Aubilder meinen, dass man sich die Entscheidung zum Wechsel auf einen Rebreather nicht leicht machen sollte. “Warum möchtest du diese Ausbildung machen?” ist eine Frage, die sie alle in irgendeiner Form stellen. Sie betonen, dass man auf einem Rebreather kein Gelegehheitstaucher sein kann. Man braucht sein eigenes Gerät und muss es viel tauchen, um seine Fertigkeiten frisch zu halten – eine nicht unerhebliche Investition von Zeit und Geld.


Ein herzliches Dankeschön an meine Interviewpartner:


Der Autor

Tim Blömeke unterrichtet Tech-Tauchen in Taiwan und auf den Philippinen. Er ist Autor und freier Übersetzer, sowie Mitglied des Redaktionsteams von Alert Diver. Er taucht einen Fathom Mk3 CCR. Im Netz erreicht man ihn über seinen Blog und auf Instagram.

Der Autor

Tim Blömeke

Tim Blömeke unterrichtet Tech- und Sporttauchen in Taiwan und auf den Philippinen. Er ist Autor und freier Übersetzer, sowie Mitglied des Redaktionsteams von Alert Diver. Im Netz erreicht man ihn über seinen Blog und auf Instagram.

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