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Interview mit Aldo Montano

Olympischer Fechter, zweimaliger Weltmeister, fünfmaliger Europameister, neunmaliger italienischer Meister, hochgeschätzter Unterstützer anderer Athleten, bekannte TV-Persönlichkeit und auf dem Weg zu den nächsten Olympischen Spielen.

Sternzeichen: Skorpion

Herkunft: geboren 1978 in Livorno, heute lebt er in Rom

Alter: 38 

DAN Mitglied seit 2017

Am 24. Mai  2013 war Aldo Montano einer von zweihundert Tauchern und Sportgrößen, die im Rahmen einer Initiative organisiert bei SNSI Scuba and Nitrox Safety International und AVA den Meeresboden zwischen Calafuria und Quercianella bei Livorno säuberten.

Wie kam es dazu, dass du an der Säuberung des Meeresbodens beteiligt warst, Aldo? Wo beginnt diese Geschichte?

Die Geschichte beginnt im Jahr 2010 mit meiner Cousine Francesca, SNS Instructor Trainerin, die mich praktisch gezwungen hat, mir ihr zu tauchen. Sie war in Rom und nahm mich mit ins Schwimmbad. So war das. Natürlich war ich sehr gespannt, denn bis dahin war ich nur mit angehaltenem Atem getaucht. Und ich war fasziniert davon, die Grenzen der „Festland-Säugetiere“ überwinden zu können, denn die hindern uns ja in der Regel daran abzutauchen. Da unten atmen zu können, war ein bisschen wie ein Traum. Wie der Traum vom Fliegen, zum Beispiel. Und das Gefühl unter Wasser atmen zu können war sofort sehr aufregend. Ich bedauere nur, dass ich nicht mehr Zeit mit dem Tauchen verbringen kann. Aber als Sportler habe ich Verpflichtungen und einen sehr vollen Trainingsplan.

Die Montanos sind eine Familie mit einer starken Beziehung zum Meer…

Wir besitzen eine Werft. Seit 1890 bauen und reparieren wir Boote, Schiffe und Schnellboote im Hafen von Livorno. Historisch gesehen gehört unsere Familie aufs Wasser.

Deine älteste und eindrücklichste Erinnerung ans Meer?

Ich gehöre zu der Generation „Der weiße Hai“. Ich erinnere mich nicht mehr, ob es der 1., 2., 3., 4. oder 56. Teil war. Aber ich hatte fürchterliche Angst davor, vom Ufer weg zu schwimmen und meine kleinen Füße dorthin zu bewegen, wo ich den Boden nicht sehen konnte. In Livorno findet man diese Bedingungen leicht. Man muss nur ein klein wenig vom Ufer weg schwimmen und schon ist man im tiefen Wasser. Mein Vater nahm uns immer mit hinaus und lies uns ohne viel Tamtam ins Wasser. Und ich stellt mir immer dieses Ungeheuer vor, das mit seinem weit aufgerissenen Maul voller Zähne aus der Tiefe hochkommen würde… Doch dank der Beharrlichkeit meines Vaters konnte ich diese Angst schließlich überwinden. Und dann entwickelte ich eine Leidenschaft, und zwar ziemlich schnell, muss ich sagen, für Vieles, was mit dem Meer zu tun hatte – zum Beispiel für das Surfen, Windsurfen und für Ausflüge, bei denen ich diese Sportarten ausüben konnte. Dann schließlich kam irgendwann das Tauchen.

Du hast eine Kampagne zur Sicherheit im Straßenverkehr unterstützt. Was ist deine Meinung zur Sicherheit auf See? Was sollte noch getan werden?

Das kann ich nicht sagen, denn ich bin ja kein Experte. Aber ein Beispiel fällt mir ein: Während ja jeder Verkehrsschilder kennt und der Straßenverkehr geregelt ist, findet man auf See eine offene Wasserfläche ohne irgendwelche Hinweise, die für jedermann klar wären. Man muss sich auskennen und man muss vorbereitet sein. Doch es gibt Menschen, die nicht glauben, dass man auf solch einer weiten und offenen Wasserfläche einen Unfall oder einen Zusammenstoß haben kann. Da gibt es diejenigen, die einmal im Jahr ohne Führerschein auf kleinen Mietbooten aufs Meer hinausfahren, aber auch Leute, die keine Ahnung haben, was es bedeutet auf See zu sein, obwohl sie einen Bootsführerschein haben. Vor allem in den Sommermonaten wird es sehr chaotisch. Aber ich denke, wenn man einfach den Verkehr einschränken würde, dann wäre das ein großer Verlust, sowohl für die Besucher als auch die Reiseveranstalter.

Ein Moment der Angst unter Wasser?

Das war bei Le Formiche in Grosseto (Italien). An einem bestimmten Punkt in der Nähe der Wand verlor ich die Orientierung: Ich wusste nicht mehr wo oben und unten war und ich hatte das Gefühl, die senkrechte Wand sei gleichzeitig der Boden und ein Dach. Ich nahm Francescas Hand – sie ist sozusagen meine Patentante beim Tauchen – und sofort ging es mir wieder besser. Ich verstand, dass beim Tauchen, wie bei jeder sportlichen Laufbahn, Vertrauen wichtig ist. Wenn man sich auf diejenigen verlässt, die mehr Erfahrung und Wissen haben, dann können aus kritischen Momenten sogar lustige werden.

Teile einen „Wow“-Moment (unter Wasser) mit uns!

Als ich auf den Malediven Nemo begegnete! Es war toll, ihn in seiner eigenen Welt zu sehen, nach all dem Medienrummel mit Cartoons und Plüschtieren. Er war da in seiner Anemone. Und ich denke, es ist wohl schwieriger, ihn beim Schnorcheln zu sehen, da Anemonen in der Regel in Riffe eingebettet sind und sich nicht in der Nähe der Oberfläche befinden. Es war wunderbar, anhalten und ihn mit meiner Tauchausrüstung beobachten zu können.

Ein typischer Tag im Leben eines Weltmeisters, der sich auf die Olympischen Spiele vorbereitet.

Das hängt definitiv davon ab, wie alt man ist! Nichtsdestotrotz beginnen wir alle damit uns aufzuwärmen, Übungen zu machen usw. Und dann gibt es einen Experten, der uns bei der Verbesserung unser Technik unterstützt, uns beobachtet und anleitet und es gibt einen Sparringpartner für die echten Wettkämpfe… Das kann schon mal den ganzen Tag in Anspruch nehmen.

Ein Kindheitstraum vom Tauchen? 

Mit einem Hai zu tauchen, d.h. dem aus dem Film „Der weiße Hai“. Mit Tigerhaien, weißen Haien, vielleicht um mir meine alte Angst auszutreiben. Vielleicht, weil ich fasziniert davon bin, einem gefährlichen Raubtier nahe genug kommen zu können um es zu verstehen. Ich weiß, dass wir für sie keine Nahrung sind, aber ich habe sie lange aus der Perspektive eines Surfers gesehen, aus der meiner internationalen Surferfreunde, die mir von Verletzungen und Angriffen erzählt haben, auch wenn diese vielleicht nur aus Versehen passierten. Bisher habe ich Walhaie gesehen. Riesig und dick, mit ihrer komisch gepunkteten Haut. Einfach nur schön! Aber die Haie, die ich meine, also z. B. weiße Haie, die sind schon was Besonderes. Mit den Muskeln, die unter ihrer Haut hervortreten, erinnern sie mich an Rassepferde.

Und jetzt noch dein Lieblingstauchplatz…

Schwer zu sagen! Da bin ich eigentlich zwischen zwei Gebieten hin- und hergerissen, nicht zwei Tauchplätzen. Eines ist das Mittelmeer, das ich gut kenne und das andere sind die tropischen Meere. Beide sind sehr unterschiedlich. Wenn man im Indischen Ozean taucht, sieht man traumhafte Farben und das Wasser ist ganz klar. Das ist wie in einem Dokumentarfilm … Wenn man im Mittelmeer taucht, gibt es weniger Licht und weniger Farben, aber man taucht in etwas ein, das zu einem gehört, das die eigene Kindheit und, auf eine bestimmte Art und Weise, die eigene Kultur geprägt hat. Da kann ich mich wirklich nicht entscheiden.


Chronologische Aufstellung

2004 – Olympisches Gold (Athen)

2005 – Gold bei den Europameisterschaften (Zalaegerszeg, Ungarn)

2011 – Gold in Catania (Einzelveranstaltung, Weltmeisterschaften)

2009 – Gold in Plovdiv (EM)

2010 – Gold in Lipsia (EM)

2011 – Gold in Sheffield (EM)

2013 – Gold in Zagreb (EM)

2015 – Gold in Moskau (Teamveranstaltung, Weltmeisterschaften)


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