26 Jul 2015 | Caren Liebscher

Keimophobie? – Denk' mal genauer drüber nach

Wie bereits in der Vergangenheit in Artikeln von Alert Diver zu lesen war, können Mikroorganismen verschiedenster Art und Herkunft durch Teile der Tauchausrüstung übertragen werden und eine gesundheitliche Bedrohung für Sporttaucher darstellen.

Tatsächlich können Leihausrüstung und Spülbecken mit Bakterien, Pilzsporen, Viren und Amöben kontaminiert sein und potenziell Krankheiten übertragen oder verursachen.

Man könnte annehmen, dass Tauchschulen dem Spülwasser Bakterizide bzw. Desinfektionsmittel zufügen – aber das ist nicht unbedingt der Fall

Sagen wir mal so: manche tun das vielleicht und andere nicht. Und selbst wenn jeder Tauchshop es tun würde, würde die mikrobielle Last, nachdem 20 Taucher nach dem Tauchen ihre Ausrüstung in dasselbe Spülbecken getaucht haben, einfach zu groß sein, als dass das Desinfektionsmittel noch effektiv wirken könnte.

Man sollte außerdem darauf achten, dass man nicht seinen Atemregler in dasselbe Spülbecken taucht, wo andere Taucher ihren Neoprenanzug reinlegen. Das wird den Atemregler sicher nicht säubern, wenn man bedenkt, dass sich manche Taucher während des Tauchgangs überschüssigen Wassers entledigen. Viele Tauchshops stellen mehrere Spülbecken zur Verfügung, einen für Neoprenanzüge und Boots, einen für Atemregler und Maske, einen für Tarierwesten usw. Dennoch wird die Verschmutzung mit Mikroorganismen immer zunehmen, je mehr Taucher ihre Ausrüstung in ein Spülbecken stecken. Als Folge kann sich ein Süßwasserspülbecken rasch in ein Reservoir einer mannigfaltigen Ansammlung von Bakterien, Viren und Pilzen verwandeln. Bedenkt man die internationale Herkunft von Tauchern auf einem Tauchboot voll mit Touristen unterschiedlichster Nationalität können diese Mikroorganismen genauso unterschiedlich sein wie ihre Träger – und deshalb bei einer Infektion auch schwierig zu behandeln sein.

In Zeiten globaler Besorgnis über die zunehmende Resistenzbildung bei bestimmten Bakterien gegenüber einst wirksamen Antibiotika sollte uns dies nicht egal sein.

Viele großartige Tauchplätze befinden sich in weniger entwickelten Ländern mit geringerem hygienischem, sanitärem und gesundheitlichem Standard. In manchen Ländern kann man das Leitungswasser nicht trinken, warum würde man also seinen Atemregler oder die Blase der Tarierweste mit diesem Wasser spülen?

Spülbecken haben den Zweck, die Ausrüstung vor der korrodierenden Wirkung von Salzwasser zu schützen. Sie dienen nicht in erster Linie dem Schutz gegen Mikroorganismen. Man sollte also seine Tauchausrüstung außerdem mit einem Schlauch abspülen und zum Trocknen aufhängen. Wenn es sich um die eigene Tauchausrüstung handelt, kann man natürlich vom Hersteller empfohlene Desinfektionsmittel anwenden.

Wenn es sich um eine Leihausrüstung handelt, muss man dem Tauchcenter vertrauen, dass die Ausrüstung ordentlich gereinigt wird. (Da kann man mehr Glück haben oder weniger.)

Warum „wäscht“ man die Tauchausrüstung nach dem Tauchen in Süßwassertanks?

Nach dem Tauchen im Meer machen wir das hauptsächlich, um das Salz wegzuwaschen. Salz übt eine starke Korrosionswirkung auf die verschiedensten Materialien aus. Um die Intaktheit der Ausrüstung so lange wie möglich zu erhalten, sollte man versuchen, das Salz möglichst gründlich abzuwaschen. Eine Desinfektion gegen pathogene Erreger muss daher zusätzlich durchgeführt werden. 

Was kann man tun, um sich gegen Krankheitserreger zu schützen, die durch Leihausrüstungen übertragen werden können?    

Zunächst einmal empfiehlt es sich, seine eigene Ausrüstung zu besitzen und zu benutzen und diese nicht mit anderen zu teilen – Partner bzw. Partnerin ausgeschlossen. Außerdem kann man Spültanks meiden, die offensichtlich bereits von zu vielen benutzt und verschmutzt worden sind. Man kann auch mal um einen Wasserwechsel bitten, falls sich der Tauchshop nicht bereits selbst darum kümmert – viele wechseln das Wasser aber regelmäßig. Diese Empfehlungen beziehen sich hauptsächlich auf Maske, Schnorchel, Atemregler, Tarierweste, Neoprenanzug, jegliche Ausrüstungsteile, die mit den eigenen Schleimhäuten in Kontakt kommen können. Es kann auch Sinn machen, seine eigene Tauchflasche und seine eigenen Tauchstiefel zu besitzen.

Man bedenke folgendes: Wenn man seine eigene Ausrüstung besitzt, ist man auch der Einzige, der sie benutzt und verunreinigt. Auf diese Weise kann man die Wahrscheinlichkeit geringhalten, dass man sich mit Krankheitserregern (Bakterien, Viren, Pilzen) von jemand anderem ansteckt.

Auch Tauchlehrer und Dive Master sollten daran denken, falls sie – für Demonstrationszwecke oder zur Überprüfung der Funktionalität – den Atemregler von Tauchschülern im Trockenen ausprobieren müssen, dass sie das Mundstück der 2. Stufe kurz nochmal durchs Wasser ziehen und abspülen, bevor sie es zurückgeben. Damit kann man verhindern, dass sich irgendwer ekelt oder sogar mit irgendetwas ansteckt.

Die Blase der Tarierweste sollte man gründlich säubern und desinfizieren

Eine Tarierweste benötigt regelmäßige Pflege. Die Blase muss gereinigt und desinfiziert werden, auch von innen, und zwar mit einer für diesen Zweck geeigneten Lösung. Ein Desinfektionsmittel kann Bakterien, Viren und Pilze abtöten, die auf verschiedene Weise in die Blase gelangt sein können wie z.B. dadurch, dass man Atemluft in die Weste geblasen hat oder sie an einem warmen Ort aufbewahrt, während sie immer noch feucht ist. Besonders die Blase der Tarierweste und der Mundinflatorschlauch können leicht Pilz- und Bakterienbewuchs ansetzen. Man sollte bei einer Leihausrüstung daran denken, dass andere vielleicht in die Weste geblasen haben. Nicht gut gepflegte Blasen können reichhaltigen Pilzbewuchs innen bilden. Also sollte man daran denken, dass das Atmen von der Weste eine ernstzunehmende Infektion der oberen Atemwege auslösen kann. Unter normalen Umständen sollte man daher nie einen Atemzug aus der Weste nehmen.
Nach Desinfektion der Blase mit Desinfektionsmittel und mehrfachem Spülen mit sauberem Süßwasser sollte die Tarierweste an einem kühlen, trockenen Ort mit geöffneten Ventilen zum Trocknen aufgehängt werden.

Wie gesagt, bei Leihausrüstungen hat man wenig Einfluss, aber seine eigene Ausrüstung kann man ganz sicher gut pflegen.

Atemregler, Maske, Schnorchel, Tauchstiefel

Man kann das Mundstück äußerlich einfach mit Desinfektionsmittel benetzen und dann mit sauberem Süßwasser abspülen. Den Atemregler sollte man zum Trocknen an einem kühlen, trockenen Ort aufhängen, bis er komplett getrocknet ist. Man sollte ihn nicht mit den Schläuchen aufgewickelt in einer Tasche lagern. Maske, Schnorchel und Tauchstiefel können auf ähnliche Weise desinfiziert und abgespült werden.

Desinfektionsmittel – erst die Gebrauchsanweisung lesen, dann anwenden

Die Ausrüstung desinfizieren und keimfrei machen muss korrekt durchgeführt werden, um das Material nicht zu beschädigen, was sonst eine viel größere Gefahrenquelle darstellen könnte. Also nicht zu lange einweichen, und wie gesagt, danach gründlich mit Süßwasser spülen. Es empfiehlt sich, die Gebrauchsanweisung sorgfältig zu lesen.

Kurz gesagt

  • Es ist gut, seine eigene Ausrüstung zu besitzen – wenigstens die wichtigen Teile, die mit den eigenen Schleimhäuten – für Pathogene eine leicht zu überschreitende Barriere – in Kontakt geraten.
  • Man sollte ein empfohlenes Desinfektionsmittel benutzen und die Gebrauchsanweisung zuvor lesen.
  • Man sollte Bakterien, Viren und Pilze entfernen, indem man ein Desinfektionsmittel benutzt, das diese auch effektiv abtöten kann (z.B.  EW80 des oder jedes andere gleichwertige Produkt, das vom Hersteller der eigenen Tauchausrüstung oder dem Tauchshop des Vertrauens empfohlen wird).
  • Die Tauchausrüstung sollte immer an einem gut belüfteten, kühlen, trockenen Ort ordentlich getrocknet werden. Feuchte Ausrüstung, in einer Tauchtasche oder im Tauchkoffer aufbewahrt, ist ein großartiger Ort, um eine Pilzzucht anzulegen. Die Lagerung in warmer, feuchter Umgebung kann Bakterienwuchs begünstigen.
  • Unter normalen Umständen sollte man niemals einen Atemzug aus einer Tarierweste nehmen
  • Den Neoprenanzug kann man mit einem Feinwaschmittel waschen und in verdünnter Desinfektionslösung einweichen
  • Wenn man mit einer Leihausrüstung taucht, sollte man sich ein Tauchcenter seines Vertrauens suchen. Wenn man den Eindruck hat, dass die Leihausrüstungen nicht den eigenen hygienischen Ansprüchen genügen, sollte man sich einen anderen Tauchshop suchen, mit dem man taucht.
Artikel herunterladen
Teile diesen Artikel mit deinen Freunden

Verwandte Artikel