16 Apr 2018 | Guy Thomas

Was sind SOPs und was haben sie mit der Sicherheit beim Tauchen zu tun?

SOP ist die englische Abkürzung für „Standard Operation Procedures“, d.h. Standardverfahren. Das sind schriftliche Dokumente, in denen erklärt wird, wie bestimmte Aufgaben geplant oder durchgeführt werden sollen. Durch sie sollen standardisierte, optimierte Prozesse geschaffen werden, an die sich alle Mitarbeiter halten. Auf diese Weise kann sichergestellt werden, dass alle Aufgaben auf einheitliche Art und Weise durchgeführt werden. Man könnte zwar meinen, es sei ganz logisch, dass diese Verfahren überall vorhanden sind. Die Realität zeigt jedoch, dass dies bei vielen Tauchbasen nicht der Fall ist. Das ist der Grund dafür, dass bei einer Tauchbasis, mit der du schon mehrmals tauchen warst, die Briefings oder andere Aufgaben vielleicht immer wieder anders ablaufen (vielleicht ist dir das ja schon einmal aufgefallen). 

Hier ein paar typische Aufgaben, für die man SOPs braucht:

  • Sicherheitsbriefings vor Tauchgängen
  • Zählen der Teilnehmer
  • Desinfektion
  • Verwaltungsabläufe
  • Wartungsverfahren
  • Verfahren, um zu vermeiden, dass Taucher verloren gehen
  • Ein- und Ausstiegsverfahren
  • Sicherheitsbriefings nach Tauchgängen

Das sind jedoch tatsächlich nur einige wenige der SOPs, die notwendig sein könnten. Und hier liegt eines der Hauptprobleme: SOPs zu erstellen ist zeitaufwendig und wird daher meist zu einer typischen „Das mache ich, wenn ich mal Zeit habe“-Aufgabe (die dann natürlich nie erledigt wird).

So bleiben Informationen meist im Kopf des Inhabers oder Geschäftsführers der Tauchbasis hängen und die Mitarbeiter machen die Dinge eben so, wie sie es für richtig halten oder wie es ihnen gerade am besten passt. Für gewöhnlich sagt die Geschäftsführung den Mitarbeitern, wie Aufgaben ausgeführt werden sollen. In der Regel geschieht das allerdings ohne schriftlich festgelegte Prozesse oder Verfahren. Die Prozesse, die dann zum Einsatz kommen, sind somit weniger erfolgreich und das uneinheitliche Vorgehen wird zum Standard.

Was wäre der einfachste und beste Weg, einen neuen Mitarbeiter über eingespielte Prozesse zu informieren? Wie kannst du sicherstellen, dass sich Mitarbeiter richtig und konsequent an sie halten? Dafür kann eine langwierige Reihe voller mündlicher Anweisungen notwendig sein, bei der wichtige Aspekte außen vor bleiben. Und dass dann letztendlich nicht konsequent einheitlich vorgegangen wird, ist unvermeidlich.

Welchen Zusammenhang gibt es zwischen SOPs und dem Thema Tauchsicherheit?

Während in einem Notfallplan erklärt wird, wie in einem Notfall zu handeln ist, wird in einer SOP berücksichtigt, wie man Notfälle von vornherein vermeiden kann.

Hier ein Beispiel: 

Ein- und Ausstiegsverfahren können von Tauchplatz zu Tauchplatz unterschiedlich sein. Einige Tauchgänge starten vom Boot aus, andere vom Ufer. Manchmal ist ein laufender Bootspropeller ein Risiko, manchmal ist es der rutschige Boden beim  Einstieg bei einem Landtauchgang. Eine SOP enthält Anweisungen, wie die Taucher ins Wasser steigen sollen, ohne dass sie mit dem Propeller in Berührung oder beim Einstieg ins Wasser ins Rutschen kommen. In der SOP sollte angegeben sein, dass der Motor ausgeschaltet sein muss und der Propeller stationär sein muss, bevor Taucher ins Wasser gehen. Oder es könnte darin beschrieben sein, wo und wie man ins Wasser einsteigen sollte, damit die Wahrscheinlichkeit, dass man ausrutscht oder fällt, so gering wie möglich ist.

Die SOP sollte klar und deutlich formuliert sein, damit keinerlei Verwirrung entstehen kann. Im Idealfall sollte sie nach einer (Sicherheits-)Bewertung der jeweiligen Aufgabe erstellt werden, damit die sicherste und beste Methode zur Umsetzung einer Aufgabe festgelegt werden kann. Es empfiehlt sich, dass an der Entwicklung bzw. der Bewertung (inkl. Prüfung) der SOP erfahrene Mitarbeiter beteiligt werden. Denn sie können durch ihre Erfahrung dazu beitragen, dass die Verfahren besonders effizient und sicher gestaltet werden. Bitte nicht vergessen, dass man Erfahrung nicht erlernen kann. Man kann nur von ihr lernen. Nutze die Erfahrung deiner Mitarbeiter, um die Dinge zu verbessern.

Wenn eine SOP gut durchdacht ist, wird es in Zukunft weniger Vorfälle und damit weniger Haftungsfragen zu klären geben. Damit SOPs Wirkung zeigen, müssen aber noch ein paar zusätzliche Dinge stimmen:

  • Man muss prüfen, ob Fortbildungen oder zusätzliche Ausrüstungsteile benötigt werden, damit die SOPs funktionieren und Prozesse verbessert werden können.
  • Man muss prüfen, ob eine SOP nicht mit anderen SOPs in Konflikt steht und ob die entsprechenden Sicherheitsnormen bzw. Vorschriften eingehalten werden.
  • Man braucht einen Plan, um seine Mitarbeiter über die Existenz der SOP zu informieren, ihnen einen Überblick zu geben und sie einzuarbeiten, aber auch um die SOPs zu verteilen bzw. um sie zur Verfügung zu stellen.
  • Du solltest die Mitarbeiter ein Dokument unterzeichnen und dadurch bestätigen lassen, dass sie die SOPs kennen und sich an sie halten werden. 
  • Wenn sich ein Mitarbeiter nicht an eine SOP hält, dann muss eine Art Abmahnung erfolgen. Wenn das entsprechende Verhalten nicht korrigiert wird, dann reduziert das nicht nur die Sicherheit, sondern erhöht auch das Haftungsrisiko. Da du ja wusstest, dass die Sicherheit gefährdet war und dennoch nichts getan hast, geht ein Teil der Verantwortung dann auf dich über.
  • Die SOPs sollten in regelmäßigen Abständen geprüft werden, und zwar insbesondere dann, wenn ein Sicherheitsproblem gemeldet wurde. Die SOPs  sollten mit einem Datum versehen werden, damit du weißt, wann sie zuletzt umgesetzt bzw. überarbeitet wurden.
  • Lass deine Kunden wissen, was in bestimmten Situationen von ihnen erwartet wird.
  • Für bestimmte SOPs brauchst du Checklisten oder Logbücher. Mit einer Checkliste für Tauchbriefings kannst du verhindern, dass Tauchguides vergessen, bestimmte Dinge zu erwähnen. Mit einem Logbuch für Wartungsarbeiten oder Flaschenfüllungen kannst du nachhalten, wann wieder eine Wartung erforderlich ist.


Eine SOP zu haben, ist keine Garantie, dass Unfälle nicht passieren. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Unfällen kommt, wird geringer.


Wie man feststellt, wo SOPs benötigt werden

Es gibt keine Einheitslösungen und je nach Tauchbetrieb werden andere Dinge benötigt. Manchmal werden SOPs benötigt, um administrative Verfahren im Detail auszuformulieren, also z. B. welche Dokumente zur Anmeldung von Kunden benötigt werden (einschließlich der Formulare für Schadensersatzansprüchen). Andere SOPs braucht man vielleicht, damit klar ist, wann und wie Dienstleistungen aufgrund von fehlender Tauchtauglichkeit verweigert werden müssen, oder um Stornierungsbedingungen zu erklären.  

Man muss nicht nur die Sicherheit der Kunden, sondern auch die Sicherheit der Mitarbeiter berücksichtigen. Eine absolute Notwendigkeit sind Richtlinien und Verfahren, die darlegen, welche persönliche Schutzausrüstung für welche Aufgaben benutzt werden muss.

Um genau bestimmen zu können, was tatsächlich gebraucht wird, muss man sich diverser Dinge besonders bewusst sein. Risikobewertungen helfen dabei nicht nur. Für solide, wirksame und zuverlässige SOPs sind sie absolut unverzichtbar.

Wo fängt man an?

Manch einer mag nun denken, dass das eine riesige und unüberwindbare Aufgabe ist und… ja, das könnte gut sein. Es ist zeitaufwendig, aber wenn es mal erledigt ist, dann wirst du von den Ergebnissen beeindruckt sein. 

Wenn man die Sicherheit beim Tauchen wirklich verbessern will, dann sind SOPs aber noch lange nicht alles, was man braucht. Genau wie EAPs sind auch SOPs nur ein Teil von etwas Größerem. Sie sind nur ein Teil der Kultur der Sicherheit, die eine Tauchbasis entwickeln, pflegen und aufrecht erhalten muss, um ein rundum sicheres Tauchunternehmen zu werden.

Also, wo und wann geht es los? Du kannst heute schon loslegen, indem du an DANs Hazard Identification & Risk Assessment (HIRA)-Programm teilnimmst.




Über den Autor:

Guy Thomas ist Instructor Trainer für Tauchlehrer und Erste Hilfe-Ausbilder und arbeitet hauptberuflich als Director of Safety Programs bei DAN Europe, wo er für die Entwicklung und Umsetzung der Initiativen für mehr Tauchsicherheit von DAN Europe verantwortlich ist. Er ist außerdem Mitglied des Sonderrettungsteams des Italienischen Roten Kreuzes und dient als Hubschrauber-Rettungsschwimmer/Tauchsanitäter an Bord eines Hubschraubers des Such- und Rettungsdienstes der italienischen Polizei.

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