30 May 2017 | Guy Thomas

Welche Signalboje soll ich nehmen?

Notfallsignalbojen (oder kurz DSMB, englisch für Delayed Surface Marker Buoy) sind nichts Neues. Es gibt sie in den verschiedensten Farben, Längen und Materialien. Sie können diverse zusätzliche Eigenschaften haben. Also, worauf sollte man bei der Auswahl achten?

Gelb, orange, grün, pink, zweifarbig... Welche ist die Richtige für mich?

In einer Welt voll bunter Tauchausrüstungen könnte man meinen, dass die Farbe deiner DSMB zur Farbe deiner Flossen passen sollte. Wie aber funktioniert die Farbauswahl wirklich und welche Bedeutung haben die verschiedenen Farben, falls überhaupt?

Schauen wir uns doch erst einmal an, wozu man eine DSMB benutzt. Die Antwort hierauf ist sehr einfach: man will Aufmerksamkeit erregen und gesehen werden.

In der maritimen Industrie gibt es diverse reglementierte Anforderungen für Rettungsmittel. Tatsächlich geben SOLAS (das Internationale Übereinkommen zum Schutz des menschlichen Lebens auf See) und der Rettungsmittel-Code (LSA-Code) vor, dass alle Bestandteile von Rettungsmitteln sehr gut sichtbare Farben haben müssen.

Obwohl Signalbojen nicht als Rettungsmittel gelten, haben sie doch eine ähnliche Funktion, denn mit ihrer Hilfe erregst du Aufmerksamkeit und stellst sicher, dass du nicht verloren gehst. Hier gibt es jedoch keine reglementierten Anforderungen. Es gibt keine „Pflichtfarbe“, dennoch sind maritime Institutionen und Hilfsorganisationen allgemein der Auffassung, dass die Farben Orange, Gelb und in gewisser Hinsicht auch Rot, die beste Wahl sind.

Die einzige Voraussetzung, die die Bojen laut der weltweiten Tauchergemeinschaft erfüllen müssen, ist, dass sie eine deutlich sichtbare Farbe haben müssen. Welche Farbe das ist, wird nicht gesagt.

Wirklich wichtig ist, dass die Farbe einen deutlichen Kontrast zur Wasseroberfläche (und zur Luft) bildet. Es wurden zwar Studien zur Bestimmung der richtigen Farbe durchgeführt, die Ergebnisse waren jedoch nicht immer einheitlich. Die Farben der Meere, in denen wir so gerne tauchen, sind nicht überall gleich und wie effektiv die Farbe einer DSMB ist, wird auch vom Sonnenlicht beeinflusst. Für unsere Zwecken sind Neongrün (Neongelb) und Neonorange anscheinend am besten.


Was ist mit Orange für Sicherheits- und Dekostopps und Gelb für Notfälle?

Genauso wie es keine international anerkannte Farbe gibt, ist auch die Bedeutung der jeweils verwendeten Farben nicht international anerkannt. In manchen Gegenden und bei manchen Tauchergruppen hat man sich generell darauf geeinigt, dass Orange in normalen Situationen und Gelb bei Notfällen verwendet werden soll. In manchen Fällen befestigen Taucher sogar eine Tafel mit einer Nachricht an einer gelben DSMB, damit deutlich ist, um was für einen Notfall es sich handelt und welche Art Hilfe benötigt wird. Bei diesem Prinzip tauchen die Taucher also mit 2 Signalbojen und senden ihrer jeweiligen Botschaft entsprechend eine andere Boje nach oben. So kann die Begleitcrew schneller reagieren und manchmal in Notsituationen bei der Lösung des Problems helfen.

Dieses Prinzip funktioniert allerdings nur, wenn alle Taucher der Gruppe jeweils 2 Signalbojen dabei haben. Tatsächlich haben die meisten Taucher aber nur eine Boje dabei und selbst dann auch nur in irgendeiner Farbe, die eben gerade verfügbar war.

Manche DSMBs haben sogar eine orangefarbene und eine gelbe Seite. Der Grund hierfür ist, dass die orangefarbene Seite in hellem Sonnenlicht und die gelbe Seite in der Dämmerung besser sichtbar sind. Diese Art Boje kann man natürlich nicht verwenden, wenn man auf eine bestimmte Notsituation hinweisen will.

Wichtig ist, dass man eine Farbe auswählt, durch die man gesehen wird und dass man sich vor einem Tauchgang gegebenenfalls darüber einigt, welche Farbe in einer Notsituation welche Bedeutung hat.

Was ist mit der Länge und dem Material?

Vergiss nicht, dass die Boje dafür sorgen muss, dass du gesehen wirst. Wenn sie zu kurz oder ihr Durchmesser zu gering ist, wird man sie aus der Entfernung nicht sehen können, und zwar insbesondere dann nicht, wenn besondere Bedingungen wie z. B. hoher Wellengang herrschen. Andererseits kann es auch sein, dass sie nicht dauerhaft aufrecht nach oben steht, wenn sie zu lang ist. Obwohl sie, je weiter sie von der Oberfläche nach oben reicht, natürlich aus der Ferne besser zu sehen ist.

Das verwendete Material macht zwar keinen großen Unterschied, was die Sichtbarkeit angeht, Es kann aber die Qualität der Boje beeinträchtigen und somit auch ihre Lebensdauer. Modelle aus Plastik oder PVC sind der Länge nach versiegelt, aber da bei diesen Materialien mit „Thermo“-Siegeln gearbeitet wird, sind sie weniger robust als genähte Nylonausführungen, die manchmal sogar (wie eine Tarierweste) eine integrierte Luftblase haben. Hinzu kommt, dass die teureren Nylontypen oft zusätzliche Eigenschaften haben und so effektiver sind.


Unten offen oder selbstschließend?

Manche Signalbojen bleiben unten offen. Man bläst sie mit dem Atemregler auf und schickt sie nach oben. Überschüssige Luft entweicht auf der Unterseite und verhindert, dass sie reißt, weil sie sich während des Aufstiegs ausdehnt. Das Problem mit dieser Art Boje ist, dass sie an der Oberfläche umkippen und die Luft entweichen kann, nachdem sie aus der Tiefe nach oben geschickt wurden. Das kann zur Folge haben, dass sie wieder absinkt oder nur zur Hälfte aufgeblasen an der Oberfläche bleibt. Dann erfüllt sie nicht länger ihren Zweck.

Bei der selbstschließenden Boje hingegen wird verhindert, dass unten Luft entweicht. Dadurch wird garantiert, dass die DSMB an der Oberfläche hochsteht, solange man die Leine und Haspel (ja, die braucht man, um die Boje nach oben zu schicken) gespannt hält. Hier reicht es tatsächlich nicht, dass sie die Oberfläche erreicht. Wenn sie nach oben stehen soll, während man noch unter Wasser ist, dann muss man dafür sorgen, dass die Leine gespannt ist. Selbstschließende DSMBs platzen während des Aufstiegs nicht, weil sie ein Überdruck- oder Schnabelventil haben.

Selbst wenn man sie nicht aus der Tiefe nach oben schickt, sondern nur an der Oberfläche benutzt, macht die selbstschließende Variante einem das Leben doch sehr viel einfacher, da nicht jedes Mal Luft entweicht, wenn die DSMB umfällt.

Es gibt auch Modelle, die mit dem Mund durch einen kleinen Zylinder oder über den Inflatorschlauch aufgeblasen werden können.  Alle diese Eigenschaften können von zusätzlichem Nutzen sein. Wenn man jedoch den Inflatorschlauch benutzt, um die Boje an die Oberfläche zu schicken, kann das auch dazu führen, dass man unkontrolliert aufsteigt. Und das sollte natürlich nicht passieren. In jedem Fall gilt das vorherige Üben, ehe man einer in einer Notfallsituation eine Boje verwendet, wie es grundsätzlich bei allen Sicherheitsmaterialien sinnvoll ist.


Weitere Eigenschaften

Manche Signalbojen haben reflektierende Streifen, was nachts nützlich sein kann, wenn mit Lampen gesucht wird. An manchen Modellen kann man oben Blitzlichter oder Leuchtstäbe anbringen, was ebenfalls nachts sehr sinnvoll ist. Ein Hersteller hat seine DSMB sogar mit einer Tasche für den eigenen Notfalltransmitter ausgerüstet.

Außerdem gibt es Signalbojen, die an der Unterseite einen Beutel haben. Dieser Beutel kann leer oder mit Notfallmaterialien gefüllt sein und wenn die DSMB nicht benutzt wird, kann man auch eine kleine Haspel darin unterbringen. Auch wenn es eigentlich offensichtlich ist, sollte man nicht vergessen, dass man eine Haspel braucht, um die DSMB von der Tiefe aus nach oben zu schicken. Und in den meisten Fällen muss man diese separat kaufen.

Eine Signalboje ist extrem wichtig, wenn man weit vom Tauchboot oder von der Küste entfernt auftaucht und von niemandem gesehen werden kann. In solch einer Situation will man die beste Boje dabei haben, die es gibt. Genau daran muss man denken, wenn man sich entscheidet, welche Signalboje man kauft. Wenn du also über Hilfsmittel nachdenkst, die dir dein Leben retten können, dann sollte der Preis nicht ausschlaggebend sein. Qualität und Nutzen sind die zwei Eigenschaften die den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen können. 

SMB oder DSMB?

Im Englischen verwendet man häufig den Begriff Surface Marker Buoy (SMB) statt Delayed Surface Marker Buoy (DSMB). Zwischen beiden gibt es einen gravierenden Unterschied. Bei einer SMB handelt es sich tatsächlich um eine reguläre Oberflächenboje mit einer Taucherflagge darauf, die anzeigt, dass sich Taucher im Wasser befinden. Sie wird während des gesamten Tauchgangs verwendet.




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