05 Jul 2016 | Claudio Di Manao

Kult-Tauchgang: Shark & Yolanda Reef

Ort: Rotes Meer, Ägypten.

GPS: 27° 43’ 51.03” N 34° 15’ 37.99” O  

Tauchgang: Tief- und Strömungstauchgang.

Meeresleben: die gesamte Nahrungskette, leuchtende Korallen und eine Unterwasserlandschaft, die so beeindruckend ist, dass dir schwindelig wird.

Level: Für Fortgeschrittene und Experten.


Landschaft

Man muss gar nicht erst ins Wasser steigen um zu verstehen, warum Shark & Yolanda Reef zu den zehn schönsten Tauchplätzen der Welt gehört. Es reicht, wenn man einen Blick auf eine Karte wirft. Die ockerfarbenen Felsen der Wüste fallen zum Großen Afrikanischen Grabenbruch hin ab, der die Afrikanische Platte von der Arabischen Platte trennt und so das Rote Meer und den Golf von Aqaba bildet. Und genau dort, am südlichsten Zipfel der Sinai-Halbinsel steigen zwei identische Riffe aus der Tiefe empor. Dort, wo sich zwei Golfe treffen. Sues und Aqaba: jeder hat seine Strömungen und seine einheimischen Arten.

Was es zu sehen gibt und wann

Shark Reef wird dich nie enttäuschen. In den Wintermonaten hast du hier eine rekordverdächtige Sicht (50 m +) und triffst auf Jungfische in all ihrer Pracht. Zwischen Ende Juni und Anfang September treffen sich hier ganze Schwarmwolken von Makrelen, Schnappern, Barrakudas, Fledermausfischen und Einhornfischen. In den Sommermonaten solltest du dir einen Tauchguide aussuchen, der weiß, wie man den großen Taucherandrang vermeidet. Dann wirst du auch die Schwarzspitzenhaie in den Schwärmen entdecken.

Zu Begegnungen mit Thunfischen, Zackenbarschen, Muränen, Makrelen, Schildkröten, Napoleon-Lippfischen und Adlerrochen kommt es das ganze Jahr über sehr häufig. Manchmal schwimmen auch Delphine im Inneren der Füsilier-Schwärme. Das verführerischste am Shark Reef ist der Lichteinfall und die extrem lebendigen Farben. Weichkorallen, See- und Krustenanemonen bedecken jeden Quadratzentimeter der Wand. Riesenfächergorgonien bedecken viele Felsspalten und Überhänge, gedeihen aber vor allem auf der Außenseite von Yolanda Reef. Das Wrack der Yolanda, von dem das Riff seinen Namen erhielt, ist bis auf  150 Meter Tiefe gesunken. Das Wenige, was von der Schiffsladung noch zu sehen ist, ist uninteressant: Badezimmerarmaturen und Klempnerzubehör. Wenn man die Ladung erreicht hat, dann kommt man bei Standardtauchbedingungen nicht weiter. Und wünscht sich einen kreativen Tauchguide.

Der beste Zeitpunkt hier zu tauchen ist, wenn die Strömung stark ist und sich am besten noch vom Shark Reef zum Yolanda Reef bewegt.  Dann öffnen sich die Softkorallen, die Fische sammeln sich dort, wo sich die Strömung teilt oder eine Flaute herrscht und das Riff explodiert förmlich vor Leben und Farbe.


BRIEFING

Hier gilt es keine Zeit zu verlieren. Wenn man über dem Shark Reef ins Wasser springt, müssen alle bereit sein und dürfen nicht zögern. Das ist kein Ort um noch mal eben das Blei zu kontrollieren. Das Boot fährt nah ans Riff und bewegt sich dann mit minimaler Geschwindigkeit davon weg. Wann genau man ins Wasser springt, entscheidet der Tauchguide. Aber die Taucher sind dafür verantwortlich rechtzeitig bereit zu sein. Du tauchst da ab, wo es nahezu keine Strömung gibt. Aber nur ein Meter weiter reicht und du wirst nach rechts oder links fortgetrieben.


Klassische Route


Alternative Route

An der Ecke ist die Wand vollständig mit Weichkorallen bedeckt. Hier mache ich mich in einer Tiefe von 10-15 Metern auf in Richtung offenes Meer und halte nach vorbeiziehenden Fischschwärmen und pelagischen Fischen Ausschau. Wenn etwas los ist, dann lohnt es sich, hier viel Zeit zu verbringen. Mit dem Riff an meiner rechten Seite tauche ich weiter in Richtung Sattel. Dort prüfe ich die launenhafte Natur der Strömungen und überlege, welche Möglichkeiten ich habe: geradeaus zum Platteau abseits des Yolanda Reef, wo es bei zwischen 13 bis 30 Metern Tiefe viele Riesenfächergorgonien und Felsnadeln gibt. Oder eine Runde um das Shark Reef. Oder entlang der Rückseite des Yolanda Reef, wo ich mich von der Strömung zum flacheren inneren Platteau „fliegen“ lassen kann und die Ladung erreiche. Der traditionelle Tauchgang endet hier, bei der Ladung der Yolanda. Die andere Option, die mir weitaus besser gefällt, ist ein steiler Tauchgang nach Anemone City und die Durchquerung des endlos tiefen Blaus in Richtung Shark Reef. Dort habe ich den Vorteil, dass ich mir einen Überblick über die Fische und die Strömungen machen kann. Und am wichtigsten: ich vermeide es, die Taucher zu sehen, die wie Konfetti hin und her geworfen werden, sobald ihre Flossen das Wasser berühren.  Das ist nur was für Taucher mit gutem Luftverbrauch.


Warnung!
Die Strömungen können extrem stark sein und sich ohne Vorwarnung ändern.
Im Sommer kann es auf dem Sattel und an der bis auf 800 Meter Tiefe abfallenden Wand zu sehr starken Strömungen nach unten kommen! 
Vorsicht auch vor Booten - in der Gegend ist sehr viel los.



LOGISTIK UND REISEVERBINDUNGEN

Zugang: mit dem Boot

Tauchguide: ist Pflicht. Rund um Sharm el Sheikh (südliche Sinai-Halbinsel, Ägypten) gibt es Dutzende Tauchbasen mit guten Anlagen.

Flughafen: Sharm el Sheikh – SSH







Über den Autor: Claudio Di Manao - REEF WRITERS CORPORATION


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