Foto: Kurt Arrigo
DAN Botschafter

Wie ich lernte mein eigener Taucharzt zu sein

AUF SEE VERLOREN GEHEN: NACHTTAUCHGANG AUF DEN GALAPAGOS-INSELN 

Als wir auftauchte war zappenduster. Mein Buddy und ich befanden uns 3 Meilen weit draußen auf dem Meer, nachts, auf den Galapagos-Inseln – in einer uns unbekannter Region mit starken Strömungen, Haien… 

Was passiert war: ich hatte mich zu sehr auf unseren Bootsführer verlassen, obwohl mein Instinkt mir davon eigentlich abgeraten hatte. Wir fuhren raus um ohne Tauchboje an diesem Riff zu tauchen und bevor wir ins Meer sprangen, fragte ich: „Wie wird uns das Boot denn folgen?“ Der ecuadorianische Bootsführer versicherte mir, er würde unsere Lampen unter Wasser sehen und ich verließ mich auf ihn. Obwohl ich wusste, dass es eine verrückte Idee war, stellte ich sie nicht in Frage.

 

„Im Laufe der Jahre lernt man irgendwie, nichts als selbstverständlich anzusehen.“

Also gingen wir tauchen. Wir verbrachten ganz anständige 35 Minuten unter Wasser. In dieser Zeit hatte das Boot uns schon längst verloren. Das Boot fuhr im Kreis herum, sehr schnell, die Crew sah mal ein Licht hier, dann eines dort… Und als wir dann auftauchten, sahen wir garnichts. Nur Dunkelheit.  

Wir waren verloren gegangen. In der Ferne konnten wir die Lichter der Galapagosinseln sehen, aber mit all den Strömungen, die uns hin- und herzogen, wäre unser nächster Halt die Antarktis gewesen.

In solchen Situationen muss man sofort handeln. Obwohl mein Buddy John älter war als ich und mehr Erfahrung hatte, fühlte ich mich für ihn verantwortlich. Zum Glück blieb ich ruhig und entschied die Führung zu übernehmen. Ich bat ihn sofort seine Tauchlampe auszumachen um unsere Batterien zu schonen und sagte ihm, er solle sich bereit machen seine Ausrüstung abzuwerfen, damit wir möglichst schnell schwimmen konnten. Aber sebst das gelang uns bei der 5 Knoten starken Strömung nicht.  

 

Ich denke, die Entscheidungen, die man vor einem Tauchgang trifft, sind für die Probleme, die vielleicht auftauchen könnten, unglaublich wichtig."  

Schließlich nahm ich meine Foto-Stroboskoplampe, hielt sie mir über den Kopf und drehte mich im Kreis — in der Hoffnung, dass ich damit die Aufmerksamkeit auf uns lenken würde und uns die Jungs auf dem Boot sehen würden. Zum Glück sahen sie es. Wir waren 15 Minuten lang im Wasser verloren gegangen, aber es fühlte sich wie eine Ewigkeit an. Letzen Endes ging alles gut aus, aber zwischezetlich war es beängstigend. Im Laufe der Jahre lernt man irgendwie, nichts als selbstverständlich anzusehen. 

Ich denke, die Entscheidungen, die man vor einem Tauchgang trifft, sind für die Probleme, die vielleicht auftauchen könnten, unglaublich wichtig.

Schließlich wurden wir nicht für ein Leben unter Wasser konstruiert — also müssen wir sicher gehen, dass wir alle richtigen Ausrüstungsteile dabei haben, alle Checks machen, die Elemente respektieren und unsere eigenen Fähigkeiten kennen. Wir müssen wissen, wann wir „Nein, das ist mir zu viel“ sagen müssen und wir müssen auch die richtigen Fragen stellen.  

 

NICHTS IST SELBSTVERSTÄNDLICH 

Je mehr du vor deinem Tauchgang weißt, desto mehr kannst du dich im Vorfeld darauf einstellen, was vielleicht schiefgehen könnte. 

Ein Teil meiner Vorbereitung besteht immer daraus, dass ich die Standard-Checkliste durchgehe. Ich beginne damit, die grundlegenden Teile zu überprüfen: meine eigene Maske, meinen Regler, meine Flossen und ich kontrolliere, ob meine Ausrüstung in Ordnung ist. Wenn du eine Ausrüstung benutzt, mit der du dich bereits wohlfühlst, wird dein Unterwassererlebnis gleich viel besser und sicherer! 

Als Vorsichtsmaßnahme benutze ich immer Ausrüstungsteile mit denen ich mich wohl fühle.  Wenn du tauchen gehst und dabei etwas Neues ausprobierst, bleibt da immer ein Überraschungselement. Es ist also sehr wichtig, dass du etwas trägst, das du vorher ausprobiert hast und mit dem du schon geübt hast. Je mehr Erfahrung man hat, desto besser weiß man, was gut zu einem passt.  

Was den eigenen Körper angeht ist es wichtig, dass man sich selbst gut kennt und zugibt, wenn sich etwas falsch anfühlt. Es zahlt sich aus auf seinen eigenen Körper zu hören. Ob Ohrenschmerzen, Probleme mit den Nebenhöhlen oder mit dem Magen – du musst abschätzen, welchen Einfluss das auf deinen Tauchgang und letztendlich auf deine Gesundheit haben kann.  Ein verletzter  Finger ist vielleicht noch akzeptabel. Aber Probleme mit einem Bein können bedeuten, dass du nicht richtig schwimmen kannst.  

Jeder macht sein Ding auf seine eigene Art und Weise. Es ist wichtig, dass man sozusagen sein eigener Arzt ist, damit man versteht, wie der eigene Körper in den verschiedenen Situationen reagiert. Ich persönlich bin sehr aktiv — ich mache viel Sport, u.a. schwimme ich z.B. im Freiwasser. Ich fühle mich im Wasser also sehr wohl und kenne meinen Körper sehr genau.  Trotzdem lasse ich jedes Jahr vom Arzt einen kompletten Check-up machen.  

Sein eigener Arzt zu sein bedeutet, dass man die eigenen körperlichen Möglichkeiten und Einschränkungen kennt. Es ist absolut wichtig, den eigenen Körper sehr genau zu kennen. Das macht es einfacher unter Wasser zu reagieren, wenn sich irgendetwas nicht richtig anfühlt.  

So ist man sich seiner Grenzen bewusst.  Wenn du also tauchen bist, dabei Fotos machst und viel Ausrüstung mitschleppst, dann musst du sicher sein, dass du schnell reagieren kannst, wenn etwas schiefgeht.  Letztendlich ist es wichtig, dass man sich unter Wasser wohlfühlt, seine eigenen Grenzen kennt und in einer Umgebung taucht, die man kennt.


Vermeide es verloren zu gehen und verbessere deine Chancen im Ernstfall wieder gefunden zu werden.  

Ein Teil der Mission von DAN Europe ist es, für mehr Tauchsicherheit zu werben und daher läuft gerade eine Aufklärungskampagne, die den Tauchern dabei hilft, dass Risiko zu reduzieren auf See verloren zu gehen.


Lies, welchen Rat Kurt Arrigo weitergibt, seitdem er auf der Insel Gozo beinahe beim Tauchen ertrunken wäre.  

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