19 Mar 2019 | Claudio Di Manao

Kulttauchgang: Die Schätze des Jackson Riffs (Teil 2)

Das Jackson Riff (Ägypten): ein Vergnügungspark für Taucher, mit Achterbahnen und fünf ganz unterschiedlichen Routen. Wir stellen seinen Reichtum und seine Schönheit heraus und schauen uns sowohl seine Eigenarten als auch mögliche Gefahren an. Nachdem wir uns im ersten Artikel ganz auf Lighthouse, Garden und North Jackson konzentriert haben, geht es jetzt mit zwei anspruchsvolleren Tauchgängen weiter: Ras Goma und Sella/„Waschmaschine“.

Jackson Riff: Ras Goma

GPS: Einstiegspunkt (falls nicht Jackson Nord)

  •  28° 0'42.41"N
  •  34°28'19.35"E

Level: anspruchsvoll - TEC

Landschaft

Ab einer Tiefe von etwa 50 Metern erstreckt sich auf der nordwestlichen Seite des Jackson Riff ein noch jungfräuliches Satelliten-Riff in Richtung Süden, das langsam ansteigt und an die Westseite des nächsten Riffs anschließt: an das Woodhouse Riff. Dieser Tauchgang ist eine der wahren Perlen von Sharm el Sheikh, auch wenn Tauchzentren, die kein Schlauchboot haben, ihn nur selten anbieten.

Was es zu sehen gibt und wann

Riesige Weichkorallen, Peitschenkorallen und Akroporen... Dieses Riff ist vollständig mit Schwämmen und kleinen Korallen bedeckt! Man trifft häufig auf große Zackenbarsche, Meeresschildkröten, Adlerrochen, große Thunfische und Weißspitzen-Riffhaie. Weniger häufig, aber immer noch sehr wahrscheinlich, sind Begegnungen mit Hammerhaien, Kleinen Schwarzspitzenhaien, Grauen Riffhaien und manchmal Delphinen.

BRIEFING

Du kannst in der Nähe des Wracks der Lara ins Wasser steigen, auf der nordwestlichen Seite des Jackson Riff. Oder nachdem du auf der Suche nach Hammerhaien einen Abstecher ins Blaue gemacht hast, wenn du nicht zu lange unter 20 Meter geblieben bist und noch genug Luft hast. Du folgst der Strömung nach Süden und gleitest an der Westseite des Jackson Riffs leicht auswärts vorbei. Ab einem gewissen Punkt steigt der Meeresboden wieder sanft an und bildet in ca. 50 Metern Tiefe eine gebirgsähnliche Formation. Der beste Aussichtspunkt befindet sich auf dem Bergkamm, der sich bis zu dem Becken zwischen dem Jackson Riff und dem Woodhouse Riff hinzieht. Wenn die äußere Seite sehr steil und zerklüftet wird, befindest du dich in der Nähe des Beckens. An diesem Punkt kannst du dann, je nach Strömung, entscheiden, ob du an dem wunderschönen Meeresgarten wiederauftauchen oder weiter in Richtung der Westseite des Woodhouse Riff tauchen willst. Das hat dort eine sehr schöne Steilwand und ist voll mit Weichkorallen.

WARNUNG

  1. Tauche bitte nicht, wenn es auf der Westseite der Jackson und Woodhouse Riffe Wellengang gibt.
  2. Aufgrund des Profils des Meeresbodens kann es hier bei starker Strömung zu Turbulenzen kommen.
  3. Angesichts der Tiefe empfiehlt sich ein technischer Tauchgang mit einer ausreichenden Luftversorgung und Dekompressionsmischungen, und zwar insbesondere dann, wenn du den Tauchgang mit einem Ausflug ins Blaue zu den Hammerhaien kombinieren willst.
  4. In jedem Fall solltest du versuchen, die maximale Tiefe in der ersten Hälfte des Tauchgangs zu erreichen.





Jackson Riff: Sella/Waschmaschine

GPS: Woodhouse Riff Einstiegspunkt

  •  28° 0'12.78"N
  •  34°28'3.23"E

Level: Experten - anspruchsvoll

Landschaft

Strömungen, die aus dem Süden kommen, haben hier viel Zeit und Raum schneller zu werden, und zwar ohne dabei allzu viele Turbulenzen entlang des Woodhouse Riffs zu entwickeln, einem ca. einen Kilometer langen Streifen aus Madrepora-Steinkorallen. Stelle dir eine dicke Schicht aus Weichkorallen vor, die zu einer Wiese aus kleinen Schwämmen und Korallen führt und die dich an eine blühende Alm erinnert, auf der große grasende Tiere unterwegs sind, die durch wilde Strömungen in der Mitte zwischen zwei Riffen hin- und hergeworfen werden. Das ist der Tauchgang, der von Bootsbesatzungen und Tauchbasenmanagern in Sharm El-Sheikh am meisten gefürchtet wird.

BRIEFING

Dieser Tauchgang ist nur möglich, wenn das Meer ruhig ist und die Strömungen aus Richtung Süden kommen. Du steigst auf der Ostseite des Woodhouse Riffs ins Wasser, direkt hinter dem Canyon, und schwimmst dann mit neutralem Trimm ohne Flossenschläge weiter. Dabei kommst du an Felsformationen voller Korallenblöcke, Weichkorallen und Felsnadeln vorbei, die sich auf dem 13-18 Meter tiefen Meeresgrund befinden. Am Ende des Riffs wird die Strömung intensiver und die Landschaft verdichtet sich mit kleinen Gorgonien. Wenn du nun gedacht hast, dass das die maximale Geschwindigkeit deines Strömungstauchgangs war, dann liegst du falsch. Wenn das halb aus dem Wasser herausragende Riff abfällt, beginnt die Achterbahnfahrt erst so richtig... Als würde man in eine Waschmaschine steigen. Besser du fängst jetzt mit dem Druckausgleich an, denn hier drücken dich die Strömungen weiter nach vorne und nach unten, vor allem bei Wellengang. Wenn du einmal den „Sattel“ erreicht hast, beginnen die steigenden Strömungen sich zu rollen. Da kannst du leicht von deinem Tauchpartner oder deiner Gruppe getrennt werden. Falls du Probleme bekommst, ist es besser, wenn du sofort nach links ausweichst und beim Woodhouse Riff um die Ecke biegst, um auf der gegenüberliegenden Seite zurückzutauchen. Wenn du weiter tauchst, kommt Darwins Evolutionstheorie zum Zug: Hier suchen Haie nach abgelenkten oder erschöpften Fischen, die sie fressen können. Der sicherste Platz ist in der Nähe des Bodens in etwa 30 Metern Entfernung. Am Ende der Reise wird dir der sanft zum Jackson Riff hin ansteigende Hang wie das gelobte Land vorkommen.

WARNUNG

  1. Tauche bitte nicht, wenn es an der Ostseite des Jackson Riffs Wellen gibt. Auch wenn du einen Strömungstauchgang um die Spitze des Woodhouse Riffs herum oder einen Abstecher ins Blaue in Richtung der Jackson Riff-Ankerplätze vorhast, können die Strömungen überwältigend sein. Und ein einfacher Krampf kann ausreichen, um in einer extrem gefährlichen Gegend zu landen, in der eine Rettung selbst mit Schlauchboot schwierig ist.
  2. Alle Taucher, die diesen Tauchgang machen, müssen eine Signalboje bei sich haben. Hier wird man leicht von seiner Gruppe und dem Tauchpartner weggetragen.
  3. Wichtig ist, dass man hier seine Tarierung im Griff hat und mit Strömungen umgehen kann. Die Bedingungen können allerdings so extrem sein, dass auch noch so viel Erfahrung nicht ausreicht, um die Aufstiegsgeschwindigkeit und die Sicherheitsstopps richtig unter Kontrolle zu haben.




Danksagung

Vielen Dank an Franz, Andrea Zuccari, Francesco Pipino und Dr Adel Taher. Mit ihrer Erfahrung haben sie einen großen Beitrag zu diesem Artikel geleistet und mir geholfen, das Riff und seine Gesetze besser zu verstehen.

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