01 Apr 2020 | Michael Menduno

Bist du abgesichert? Gedanken zur Tauchversicherung

Alles, was du schon immer mal über Tauchversicherungen wissen wolltest, aber vor lauter Tauchen keine Zeit zu fragen hattest

Bist du finanziell abgesichert, wenn du dich bei einer Tauchreise verletzt?

Wir erwarten alle, dass DANs Versicherung bei einer Dekompressionserkrankung die Kosten unserer Behandlung übernimmt. Aber was ist, wenn du aufgrund der Behandlung weitere fünf Tage im Hotel bleiben und neue Flüge nach Hause buchen musst? Wären diese Kosten auch abgedeckt? Und was ist, wenn nach der Behandlung noch Reha-Maßnahmen notwendig sind?

Was, wenn du einen technischen Tauchgang gemacht hast? Oder ein Freedive? Bist du dafür auch versichert? Was ist, wenn du mit einem Freund deinen männlichen Übermut im Wasser austesten willst und mit Luft einen tiefen Tauchgang auf 70 Meter machst. Und dir dabei eine Dekompressionskrankheit (DCI) einfängst? Wärst du dafür versichert?

Nehmen wir nun an, du würdest auf dem Weg zum Tauchdeck auf den Stufen eines Tauchsafariboots ausrutschen und dir das Bein brechen. Gilt das als Tauchnotfall? Bist du sicher? Was, wenn du ausrutscht und fällst, nachdem du deine Ausrüstung angelegt hast?

Was, wenn die Tauchsafari in Papua-Neuguinea wäre und du dich mit Dengue-Fieber angesteckt oder auf dem Weg zum Boot einen Motorradunfall hättest und ins Krankenhaus müsstest? Würde deine DAN-Versicherung so etwas abdecken? Was, wenn du in Mexiko oder in Ägypen ins Krankenhaus müsstest? Macht das aus Versicherungsperspektive einen Unterschied?

Damit wollen wir deutlich machen, dass es viele Dinge zu berücksichtigen gibt. Und einige der Optionen bei deiner DAN Versicherung sind von der Tauchart abhängig, die du betreibst, und davon, wo du tauchst. Eine allgemeingültige Antwort gibt es NICHT! In Anbetracht der möglicherweise hohen medizinischen Kosten, ist es jedoch zweifellos in deinem finanziellen Interesse, dass du genau verstehst, was deine Möglichkeiten sind. Am besten beginnen wir vielleicht damit, die Ursprünge von DAN Europes Tauchversicherung zu betrachten und uns die verschiedenen Optionen anzusehen, die das Programm so bietet.

Beachte bitte, dass sich dieser Artikel ausschließlich mit DANs Sportversicherung befasst. DANs Pro Versicherung für Tauchprofis bzw. die Versicherung für Tauchcenter und Clubs schauen wir uns in anderen Artikeln genauer an.

Die Erfindung der Tauchunfallversicherung

DAN Europe hieß ursprünglich International Diving Assistance (IDA) und wurde 1982, als erste weltweite Tauchunfallversicherung mit Drittanbietern, gegründet. Das Ziel war es damals, die 24/7-Hotline von IDA zu ergänzen, die reisenden Tauchern in Not medizinische Hilfe leistete.

Im Jahr 2007 etablierte DAN Europe dann auf Malta seine eigene Versicherungstochtergesellschaft. So konnte die Organisation selbst entscheiden, was versichert werden sollte und bei der Regelung von Ansprüchen autonom Entscheidungen treffen. „Wir kannten uns so gut in dem Bereich aus, dass wir profitabel arbeiten und gleichzeitig Ansprüche auszahlen konnten“, erklärt DAN Europes leitende Vizepräsidentin Laura Marroni.

Einen kurzen geschichtlichen Überblick der Entwicklung von DANs Tauchversicherung findest du in „Notwendigkeit, die Mutter der Erfindung: Die Geschichte hinter DANs Tauchversicherung.

DAN Europe fügte seinem Programm außerdem seine eigene Zusatzversicherung für „nicht tauchbedingte Notfälle“ hinzu, damit die Mitglieder auf ihren Reisen auch für jedwede andere Notfälle versichert waren.  Man beachte, dass im Zeitraum 2016-2018 57% der Unfälle der Mitglieder mit dem Tauchen in Zusammenhang standen, 43% jedoch nicht.

Außerdem hat DAN Empfehlungen für ausgedehnte bzw. technische Tauchgänge entwickelt und dabei den Sauerstoffpartialdruck (PO2) auf maximal 1,6 ATA und den Stickstoffdruck auf einen maximalen pN2 von 5,6 ATA bei Lufttauchgängen beschränkt, was einem „Lufttauchgang“ von 60,66 m entspricht. Tauchern wird empfohlen bei technischen Tauchgängen mit Gasgemischen einen pN2 von höchsten 3,95 ATA beizubehalten (entspricht einem Luftäquivalent von 40 m).

Zurück zu den Grundlagen

Die richtige Tauchversicherung zu finden, die dich im Notfall finanziell absichert, ist nicht nur davon abhängig, wie du tauchst, sondern auch davon, wo du vorhast zu tauchen.

Zu einem Preis von 60 Euro pro Jahr ist DANs Sport Bronze-Versicherung das Basispaket, das die erste akute Phase eines Unfalls beim Sporttauchen mit bis zu 50.000 Euro abdeckt. Dabei würde beispielsweise die erste Behandlung eines Ohrenbarotraumas während eines Tauchurlaubs in Ägypten bezahlt, jedoch nicht die weiterführende Behandlung bei Fachärzten zu Hause. Die Unterbrechung einer Reise aufgrund eines Notfalls wäre nicht abgedeckt.

Die Bronze-Versicherung wurde für Sporttaucher entwickelt, d. h. für Tauchgänge auf bis zu 40 Meter mit Luft und Nitroxgemischen in offenen Kreislaufgeräten, mit Sport-Rebreathern oder als Freizeit-Freediver. Abgedeckt sind dabei auch Tauchgänge mit Normoxic Trimix (eine Mischung aus Sauerstoff, Helium und Stickstoff), das die Auswirkungen von Stickstoffnarkosen minimieren soll. Technisches Tauchen ist nicht abgedeckt.

Behandlungen bei nicht tauchbedingten medizinischen Notfällen sind durch die Bronze-Versicherung nicht abgedeckt. Hier beschränkt sich die Übernahme der Kosten auf eine medizinische Evakuierung bei Situationen, in denen Leben oder Extremitäten gefährdet sind, und auf bis zu 50.000 Euro für medizinische Rückführungen und bis zu 60 Reisetage pro Reise pro Jahr. Mit dem Bronze-Paket wärst du also beispielsweise nicht versichert, wenn du mit Dengue Fieber ins Krankenhaus müsstest oder einen nicht tauchbedingten Unfall hättest.

Ein Silberstreif am Horizont

Zum Preis von 87 Euro pro Jahr (dem Preis der Sport Bronze-Versicherung plus ein paar Nitroxfüllungen) bietet die Sport Silver Versicherung das komplette Paket. Es deckt die akute Behandlung und die Nachsorge bei Unfällen in Folge von Sporttauchgängen und technischen Tauchgängen ab, und zwar für bis zu 30 Tage nach dem Unfall und einschließlich aller damit verbundenen Reiseunterbrechungen. Der Versicherungsschutz gilt für maximal 90 Tage  pro Jahr. Auch Verletzungen beim Freediving und Verletzungen in Folge von Freediving-Wettbewerben sind enthalten.

Es gibt keine Tiefengrenzen. Jedoch muss für einen Tauchgang, der tiefer als 130 Meter gehen soll (ganz klar ein tiefer Tauchgang) ein Tauchplan, der auch Sicherheits- und Unterstützungsmaßnahmen darlegt, bei DAN eingereicht und genehmigt werden.

Was passiert, wenn du dich bei einem Tauchgang verletzt, bei dem du absichtlich die empfohlene Tiefengrenze überschreitest, wenn du also z. B. beim Gerätetauchen mit Luft in 70m Tiefe tauchst? Obwohl es schwierig ist, solche hypothetischen Fragen zu beantworten, könntest du dadurch, um es mal ganz deutlich zu sagen, deinen Versicherungsschutz gefährden. Letztendlich verlangen die Versicherungsbedingungen, dass alle Mitglieder alle ihnen zur Verfügung stehenden Maßnahmen ergreifen, um einen Unfall zu verhindern.

Anders als bei der Bronze-Versicherung, die nur in begrenztem Rahmen medizinische Evakuierungs- und Rückführungskosten übernimmt, werden bei der Silver-Versicherung Behandlungen bei Dengue-Fieber oder einem Beinbruch auf den Stufen eines Tauchsafariboots (auf dem Weg zum Essen) abgedeckt und als nicht tauchbedingte Unfälle eingestuft. Bitte beachte, dass Motorrad- bzw. Quadunfälle bei DAN Europes Versicherungen ausgeschlossen sind.

Go for Gold?

DANs Sport Gold-Versicherung zum Preis von 200 Euro ist nahezu identisch mit der Sport Silver-Versicherung. Allerdings sind hier die Versicherungsgrenzen sowohl bei Tauchunfällen als auch bei nicht tauchbedingten Unfällen sehr viel großzügiger. Die Tagesrate bei therapiebedingten Krankenhausaufenthalten ist beispielsweise doppelt so hoch. Die Gold-Versicherung zahlt nach einem Unfall zum Beispiel bis zu 10.000 Euro für zusätzliche Hotel- und Reisekosten des verletzten Mitglieds und seines Reisebegleiters. Im Vergleich zu nur bis zu 5.000 Euro für (ausschließlich) den verletzten Taucher bei der Silver-Versicherung. Die Gold-Versicherung zahlt bei dauerhafter Behinderung 100.000 Euro im Vergleich zu 50.000 Euro bei Silver.

Außerdem sind die Limits bei der ambulanten und stationären Behandlung nach nicht tauchbedingten Unfällen höher und die Travel Assistance für den Reisebegleiter des Verletzten ist großzügiger. Bei Sport Gold werden alle Kosten übernommen, bei Silver nur Kosten bis zu einer Grenze von 2.500 Euro. Hast du dir schon mal die Kosten für einen Flug von Europa auf die Fidschi-Inseln angesehen?

Außerdem gilt der Versicherungsschutz bei Sport Gold für bis zu 120 Reisetage pro Jahr, im Vergleich zu 90 Tagen bei Silver. Wenn eine Reise bei dir länger als 90-120 Tage dauert oder du im Ausland lebst, solltest du über eine „Travel No-Limits”-Option für 300 Euro nachdenken. Dabei sind bei Silver- und Goldversicherten das ganze Jahr über nicht tauchbedingte Notfälle abgedeckt. 

Zu den weiteren möglichen Zusatzleistungen gehört auch die Todesfallerweiterung, bei der die üblichen 6.000-12.000 Euro auf 25.000 bzw. 50.000 Euro im Todesfall aufgrund eines Tauchunfalls erweitert wird. Außerdem gibt es eine zusätzliche Option für Familien, bei denen der Versicherungsschutz für nicht tauchbedingte Notfälle im Ausland auch auf Familienmitglieder ausgedehnt wird. Ziel und Zweck einer Versicherung ist es letztendlich ja, dich selbst und deine Lieben zu schützen.

Eindeutig DAN

Die DAN Organisationen sind zwar weltweit die größten Anbieter von Tauchversicherungen und verfügen über ein internationales Netzwerk von mehr als 180 Tauchmedizinern, die weltweit mehr als 400.000 Mitgliedern helfen. Sie sind aber nicht die einzigen Organisationen auf dem Markt. Dennoch haben sie einige einzigartige Vorteile zu bieten.

Zunächst einmal ist DAN Europe die einzige Organisation, die Tauchern eine medizinische 24/7-Notfallhotline bietet, bei denen du mit tauchmedizinischen Beratern verbunden wirst, die deine eigene Sprache sprechen.[1] Und weil wir über unsere eigenen Tochterunternehmen Versicherungen anbieten, können wir auch aus medizinischer Sicht die besten Behandlungen genehmigen und gleichzeitig Ansprüche effizient und den Branchenrichtlinien entsprechend bearbeiten.

Ein Teil der Beiträge, die DAN Europe für die Versicherungen erhebt, fließen außerdem in die tauchmedizinische Forschung, die in den weltweiten Forschungs- und Tauchercommunitys als wichtiger Maßstab gilt. Hinzu kommt, dass mehr Mitglieder die Möglichkeit haben, ihre Tauchdaten zur Verfügung zu stellen und damit helfen, unser kollektives Wissen zu erweitern. DAN Europe entwickelt und fördert außerdem Sicherheitskampagnen, die sich auf die Verbesserung der Sicherheit beim Tauchen konzentrieren. Dies trifft auf andere Versicherungen nicht zu.

Hoffentlich sind dir deine Versicherungsoptionen bei DAN nun deutlicher geworden und du kannst dir die Versicherung aussuchen, die deinen Bedürfnissen am besten entspricht. Im Laufe der nächsten Zeit findest du an dieser Stelle auch noch Artikel über DANs PRO Versicherung und die Versicherung für Tauchcenter. Allzeit gut Luft!




Hinweis zur Tauchversicherung: DAN Europes Versicherungspakete sollen unerwartete und akute Notfälle abdecken, sie sind sogenannte sekundäre Versicherungen und nicht dazu gedacht, deine primäre, d. h. gesetzliche oder private Krankenversicherung zu ersetzen. Außerdem sind Vorerkrankungen bzw. Verletzungen, die aus bereits bestehenden Gesundheitszuständen resultieren, nicht abgedeckt. Und in den Versicherungsverträgen sind Motorrad- bzw. Quadunfälle sowie psychische Erkrankungen, Krebs und HIV ausgeschlossen. Falls du schon eine DAN Versicherung hast, findest du die Details zu deinem Versicherungsschutz in deinem „My DAN“-Konto. Dazu musst du dich bei https://daneurope.org einloggen.




[1] Bitte beachte, dass DAN derzeit keine Skype- oder WhatsApp-Anrufe entgegennehmen kann. Du kannst uns aber (rund um die Uhr und jeden Tag) eine E-Mail an emergency@daneurope.org mit deiner Telefonnummer schicken. Ein Arzt ruft dich dann umgehend zurück.




Über den Autor

Michael ist preisgekrönter Journalist und Technikexperte. Er schreibt schon seit Jahrzehnten über das Thema Tauchen und die Technik beim Tauchen. Er hat den Begriff “technisches Tauchen” geprägt.  Seine Arbeiten sind in Veröffentlichungen wie dem Alert Diver, DIVER, Quest, Scientific American, Scuba Times, Sports Diver, Undercurrent, Undersea Journal, WIRED und X-Ray erschienen. Er ist Gründer und Chefredakteur von aquaCORPS und hat dabei geholfen, dass das technische Tauchen nun zum Mainstream des Sporttauchens zählt. Er hat außerdem die ersten Tek, EuroTek und AsiaTek Konferenzen veranstaltet.

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